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AKTUELLES

Haushalt 2014 – Das wollen wir:

Die SPD unterstützt das Verwaltungskonzept, jetzt, in Zeiten eines sehr guten Steueraufkommens, die entstandenen Handlungsspielräume für große Investitionen wie die Rathaussanierungen und für Investitionen in Schulen und Kinderhäuser, aber auch in Feuerwehrhäuser, Sportplätze und die neue Sporthalle gemeinsam mit der TSG zu nutzen.

Bei zwei Schwerpunktthemen will die Fraktion darüber hinaus Akzente setzen: Familie und Bildung einerseits und bezahlbares Wohnen andererseits:

Familie und Bildung:
Zunehmend werden Ganztagsplätze in den Kitas und Kindergärten nachgefragt. Diesen Bedarf können wir als die Nummer eins in Baden-Württemberg nach den Kraftanstrengungen der letzten Jahre vollständig decken. Natürlich können Kinder, die im Kindergarten ganztags betreut wurden, in der Grundschule nicht plötzlich um 12:00 Uhr nach Hause geschickt werden. Deshalb steht der Ausbau der Ganztagesgrundschulen in den nächsten Jahren ganz oben auf der Agenda. In gebundenen Ganztagsschulen ist die Betreuung von 8:00 Uhr bis 15:30 Uhr kostenfrei. Weil auch in anderen Schulen die erweiterten Unterrichts- und Betreuungszeiten Teil der pädagogischen Arbeit sind, ist die Gebührenfreiheit dieser Betreuungszeiten richtig und auch aus Gründen der Gerechtigkeit sinnvoll. Wir beantragen deshalb die Abschaffung der Schulbetreuungsgebühren für den Zeitraum 8:00 – 15:30 Uhr. Damit würde ein großer Schritt für die Entlastung von Familien mit Kindern getan. Dies ist umso wichtiger als bei den Gebühren für die Schulkindbetreuung anders als bei den Kita-Gebühren keine Staffelung in Abhängigkeit vom Einkommen besteht.

Auf der Agenda bleibt für uns weiterhin eine Begrenzung der Essenspreise für die Tübinger Schülerinnen und Schüler. Wir schlagen eine Rückkehr zur Subventionierung wie vor der Haushaltskonsolidierung, d.h. von 0,80 € pro Essen vor. Damit ließe sich zumindest ein Preis pro Essen von maximal 3,50 € erreichen Das sollten uns unsere Kinder wert sein. Wir vertreten unverändert und mit Nachdruck die Auffassung, dass uns das Essen der Schüler gerade in Ganztagsschulen mindestens so viel wert sein muss, wie vielen Betrieben das Kantinenessen der Eltern.

Bezahlbares Wohnen:
Es ist weiterhin sehr schwierig, in Tübingen eine bezahlbare Wohnung zu finden. Hier kann die Kommune nicht alle Probleme lösen, sie kann sich jedoch noch stärker engagieren. Nachdem gerade der SPD-Antrag von 2013 in die Tat umgesetzt wurde, die Eigenkapitalausstattung der GWG für den Bau von Sozial- und Seniorenwohnungen um eine Million zu erhöhen, wollen wir jetzt die Einrichtung einer Wohnagentur forcieren, die bereits seit fünf Jahren diskutiert, aber nicht umgesetzt wird. Dafür beantragen wir ein Konzept und wollen 50.000 € zur Verfügung stellen. Weiterhin wollen wir uns ein klares Bild über die Unterbringung von Flüchtlingen machen und prüfen, ob es hier weitergehenden Handlungsbedarf gibt.

Wichtig ist uns der Schwerpunkt kulturelle Bildung: Die Verwaltung sieht bereits mehr Geld für die VHS und das DAI vor. Über die Verwaltungsansätze hinaus wollen wir bei der Familienbildungsstätte gehen. Ggf. muss nach den französischen Kürzungsplänen auch bei Institut CFA  nachgelegt werden.

In der mittelfristigen Finanzplanung wollen wir bei 2 Projekten mehr Ehrgeiz entwickeln und sie jeweils um ein Jahr nach vorne ziehen:

– der dringend notwendige Bau einer Mensa im Schulzentrum Derendingen

– die Aufhebung des Einbahnstrassenrings um den alten botanischen Garten. Nach Abschluss der Arbeiten am Zinserdreieck sollte das angegangen werden.

Weiteres:

– Wir wollen, dass keine unserer wichtigen Einrichtungen unter die Räder kommt und dass Unterfinanzierungen bei Mehrbelastungen korrigiert werden. Deshalb stellen wir Anträge für die Begegnungsstätte Hirsch, die Online-Beratung des Arbeitskreises Leben, den Drogenkontaktladen, das Asylzentrum und das Bildungsarchiv und Archiv zur Frauengeschichte (BAF).

– wir wollen eine Lücke bei den Beratungsangeboten schließen und, optimalerweise in Kooperation mit anderen Kommunen und/oder dem Landkreis, eine Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt schaffen.

– wir unterstützen die nachvollziehbaren wichtigen Anliegen der Derendinger Vereine (mobile Bühne) und des Club Voltaires.

– wir wollen die Mittel zur Attraktivitätssteigerung der Altstadt um 50.000 € aufstocken. Gerade in Zeiten vieler Baumaßnahmen wollen wir den innerstädtischen Handel durch eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Altstadt fördern.

– Die Filmfestivals brauchen Verlässlichkeit. Deshalb schlagen wir für das Festival Cine espanol und für die arabischen Filmtage einen Regelzuschuss vor.

Auch wenn nachvollziehbar in vielen Bereichen aufgrund der Belastungen der Mitarbeiter neue Personalstellen erforderlich sind, so ist doch die Summe von über 40 neuen Stellen problematisch. Wir schlagen konkret vor, auf die Stelle für die Grünplanungskonzeption ebenso wie auf die Mittel in der Finanzplanung hierzu zu verzichten und lieber konkrete, einzelne Projekte zu verwirklichen. Bei weiteren Stellen beantragen wir einen Sperrvermerk und erbitten einen Bericht im Ausschuss.
Aus unserer Sicht ist bei der Vielzahl von neuen Stellen auch ein deutlicher „Fluktuationsgewinn“ bei den Personalkosten zu erwarten. 2012 lag dieser bei 1,33 Millionen Euro. Deshalb beantragen wir über den bereits eingeplanten Betrag von 1 Million hinaus eine globale Minderausgabe von 400.000 €. Damit verbunden ist die Erwartung an die Verwaltung, bei jeder einzelnen Stellenbesetzung nochmals die Notwendigkeit und den Zeitpunkt zu prüfen.

Etwas sparen wollen wir bei der Anschaffung von Dienstfahrrädern (mit 15.000 € immer noch üppig bemessen) und wir schlagen vor, die Mittel beim Radwegebau unverändert zu belassen. Eine Erhöhung wäre zum einen nicht durch konkrete Projekte hinterlegt und zum anderen profitieren Radfahrerinnen und Radfahrer auch deutlich von den höheren Beträgen, die für die Straßensanierung eingesetzt werden – was wir natürlich unterstützen.

In der Summe ergeben unsere Vorschläge eine geringe Mehrbelastung im Verwaltungshaushalt bei Einsparungen im Vermögenshaushalt.

Dr. Martin Sökler

 

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ANTRÄGE

Wir brauchen eine Wohnagentur

Antrag der SPD-Fraktion zum Haushalt 2014

Tübingen richtet eine Wohnagentur ein. Die Verwaltung entwickelt ein Modell und legt es dem Gemeinderat zur Entscheidung vor.

Begründung:
Bereits 2008 wurde in einem Workshop die Idee einer Wohnagentur entwickelt. Wie im letzten Wohnraumbericht von 2012 zu Recht festgestellt wird, ist die Lage auf dem Tübinger Wohnungsmarkt nach wie vor angespannt. Die Nachfrage liegt deutlich über dem Angebot. Besonders schwierig ist der Zugang zum Wohnungsmarkt für Haushalte mit geringem Einkommen, Menschen mit Behinderungen, Obdachlose, Alleinerziehende, Migrantenhaushalte und große Familien. Hinzu kommt die große Nachfrage nach Wohnungen durch Studenten.

Eine Wohnagentur sollte u. a. folgende Leistungen erbringen:

-       Beratung (Wohnformen und Organisationsmodelle sowie Finanzierungs-,  Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten)

-       Vermittlung (z.B. Wohnungstauschbörse)

-       Datenbank und Wissensplattform (aktuell aktive Projekte und Initiativen, Kataster barrierefreien und rollstuhlgerechten Wohnraums, Bündelung der vorhandenen großen Erfahrung mit verschiedenen Wohnformen, Zugang zu entsprechenden Literatur- und Internetinformationen).

-       Informations- und Öffentlichkeitsarbeit (Webauftritt)

Für die SPD-Fraktion

Dr. Martin Sökler

 

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MITTWOCHSPALTEN

Ich bin dann mal weg…..

Mittwochspalte der SPD-Fraktion vom 18. September 2013

Der überteuerte Wohnungsmarkt der Stadt Tübingen wird mich nach Rottenburg auswandern lassen. Auch in Wurmlingen ist es schön und die Mieten sind deutlich günstiger. Bei vier Töchtern, die gleichzeitig in der Ausbildung sind, und mit meinem Erzieherinnengehalt ist das Leben ansonsten finanziell nur schwer zu stemmen.
In Rottenburg zu wohnen, bedeutet aber auch: Kein Engagement mehr im Tübinger Gemeinderat und kein Mitglied mehr im Ortschaftsrat Hirschau. 

14 Jahre Ortschaftsrat Hirschau, das war nicht immer leicht, manchmal sogar sehr zum Abgewöhnen. Ganz anders die vier Jahre im Tübinger Gemeinderat, eine völlig andere Politikwelt. Man muss freilich ein ordentliches Arbeitspensum auf sich nehmen und entsprechend Zeit haben. Aber bei der Entwicklung einer Stadt wie Tübingen mitzuwirken, ist wirklich sehr interessant, es hat mich auch persönlich weitergebracht. Ich werde diese Arbeit sehr vermissen.

Ein paar Wünsche möchte ich noch loswerden. Allen, die sich auf unsicherem Fundament für das Gemeinwohl, vor allem in Vereinen der Kultur und im Sozialen engagieren: „Seit laut und deutlich in euren Forderungen, kämpft dafür, dass ihr eure MitarbeiterInnen nach Tarif bezahlen könnt. Die Zeit ist überreif für Anerkennung auch durch gerechte Entlohnung.“

Tübingen hat sich zu einer vorbildlichen Bildungsstadt entwickelt. Dafür bin ich dem Ersten Bürgermeister Michael Lucke auch persönlich dankbar, ebenso für sein Eintreten für die Gleichstellung der Freien Träger in der Kindertagesbetreuung.

Nun muss die Stadt aber weiter in die Qualität der Kitas und die Arbeitsbedingungen bei den ErzieherInnen investieren. Aber nicht nur bei den Jüngsten muss es eine Entwicklung geben, die Stadt braucht auch mehr gute Wohn-, Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen für Ältere, vor allem auch in den Teilorten, ähnlich wie in Pfrondorf.

Ein Fazit aus meinen vier Jahren im Tübinger Gemeinderat: Die StadträtInnen müssen selbstbewusst und inspiriert mehr Themen selber bestimmen, die Bedürfnisse der Menschen aufnehmen und weniger nur die Setzungen der Verwaltung abarbeiten.

Manuela Heffner Stadträtin der SPD-Fraktion

 

 

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MITTWOCHSPALTEN

Umgang mit Kultur

MITTWOCHSPALTE DER SPD-FRAKTION VOM 10. JULI 2013

Dürer in der Kunsthalle – Monopoly auf dem Holzmarkt. Wie feiern wir den Tübinger Vertrag? Die Diskussion darüber war detailverliebt und emotional. Ein Beispiel für den Umgang mit Kunst und Kultur im Tübinger Gemeinderat. Zu Tage trat das Dilemma, in dem wir uns befinden. Kunst braucht Freiheit, Kulturtreibende müssen aber auch essen. Ohne Geld keine Kunst und Kultur.

Sieht man von den wenigen Ausnahmen ab, zu denen die Adriani-Ausstellungen in den 80er- und 90er Jahren zählten, sind die Präsentationen von Kunst und Kultur immer Zuschussveranstaltungen. Glücklicherweise gibt es in Tübingen einen breiten Konsens darüber, dass diese Zuschüsse gut angelegt sind. Der Gemeinderat hat klare Regeln und Transparenz für die Finanzierung der konkreten Projekte gefordert. Die von der Kulturamts-Chefin entwickelten Förderrichtlinien haben uns hier einen großen Schritt weitergebracht.

Doch das genügt nicht, die Organisator/innnen müssen die Chance haben, uns ihre Projekte vorzustellen und sie im öffentlichen Diskurs zu vertreten. In diesem Diskurs sind wir Stadträt/innen gut beraten, Mut zu zeigen.

Wie sieht das am Beispiel des Tübinger Vertrags aus? In der Kunsthalle wird die Groß- und Hauptausstellung stattfinden. Mit kleinen Summen kommt man nicht weit, wenn Werke in zweistelliger Millionenhöhe versichert werden müssen. Die Stadt ist mit etwas über einem Drittel an den Gesamtkosten der Ausstellung beteiligt, das Risiko trägt die Kunsthallenstiftung.

Im Stadtmuseum dann die sozialhistorisch konzipierte Ausstellung, die einem breiteren Publikum den Zugang zum weitgehend unbekannten Tübinger Vertrag und seiner Bedeutung schaffen soll. Daniela Rathe und Wiebke Ratzeburg haben mit viel Fantasie ein Programm entwickelt, das wichtige Aspekte von Freiheit und Verantwortung sinnlich erlebbar zu machen verspricht. Ein guter, bürgernaher Ansatz. Die dritte Säule bildet das Rahmenprogramm der Tübinger Kulturvereine und Künstler. So wird der Tübinger Vertrag, wenn alles gelingt, ein Jahr lang das Kulturthema Nummer eins in unserer Stadt sein. Und so werden gut informierte und motivierte Besucher/innen den Weg in die Kunsthalle finden. Das gelingt aber nur, wenn wir bereit sind, alle drei Säulen zu finanzieren.

Kommt uns der Tübinger Vertrag dann nicht genauso teuer wie das seinerzeit diskutierte Tyradelis-Projekt? Vielleicht! Aber jetzt sind alle Tübinger/Innen mit von der Partie – nicht nur die „Ehrbarkeit“. In gewisser Weise also doch ein kleiner neuer „Tübinger Vertrag“

Andrea Le Lan

 

 

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ANTRÄGE

Inklusion konkret

Antrag
Im Verkehrsbeirat der Stadtwerke Tübingen wird dem Forum Inklusion und dem Stadtseniorenrat ein gemeinsamer Sitz als beratendes Mitglied eingeräumt.

Begründung:
Das Forum Inklusion und der Stadtseniorenrat sind mit diesem Anliegen an die Stadt und den Gemeinderat herangetreten. Die Begründung ist schlüssig. Es ist zu würdigen, dass beide Einrichtungen eine Übereinkunft über eine gemeinsame Vertretung getroffen haben.

Für die SPD-Fraktion
Dr. Martin Sökler

 

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MITTWOCHSPALTEN

Bezahlbarer Wohnraum für alle

MITWOCHSPALTE VOM 24. APRIL 2013

 

Tübingen ist eine sehr junge Stadt. Aber auch am Neckar macht der demographische Wandel nicht Halt. Glücklicherweise steigt die Lebenserwartung, die älteren Menschen leben länger. Das hat auch Auswirkungen auf das Wohnen. Immer mehr Ältere wohnen ohne Familienangehörige in der Nähe, der Anteil älterer Migrantinnen und Migranten steigt, die Menschen möchten länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Darauf muss Kommunalpolitik reagieren.

Pfrondorf hat es vorgemacht: Die betreuten Seniorenwohnungen, die die GWG gebaut hat, sind sehr beliebt. Altenwohnen in Teilorten ist eine wichtige Antwort auf den demographischen Wandel. Wir wollen, dass auch in anderen Teilorten Wohnungen für ältere Menschen entstehen, damit niemand aus Altersgründen den Ort verlassen muss, an dem er oder sie sich zuhause fühlt.

Deshalb haben wir uns im Haushalt erfolgreich dafür eingesetzt, eine Million in die Rücklage unserer erfolgreichen städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG zu überführen.

Zugleich stellen wir immer wieder einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Familien und Studierende fest. Letzte Woche hat das Sommersemester begonnen, und viele Studierende sind darauf angewiesen, täglich nach Tübingen zu pendeln, weil sie hier kein Zimmer finden. Wir kennen Familien, die sich gezwungen fühlen, die Stadt zu verlassen, weil sie sich keine entsprechenden Wohnungen für ihre größer werdende Familie leisten können. Auch in Zukunft wird sich die SPD dafür einsetzen, dass bei neuen Projekten in ausreichendem Maße geförderte Wohnungen entstehen.

Wir wollen, dass es einen deutlichen Abstand geförderter Wohnungen vom allgemeinen Mietniveau gibt. Und wir wehren uns dagegen, dass die Mieten der Wohnungsbaugesellschaften nach Edelsanierungen auf 90% des Mietspiegels angehoben werden können. Energetische Sanierungen sind notwendig. Aber auch sie dürfen nicht dazu führen, dass sich Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen anschließend nicht mehr leisten können!

Für die SPD ist klar: Wir wollen, dass das Wohnen und Leben in unserer Stadt für alle Menschen bezahlbar ist. Und dass die Quartiere offen sind für alle – Alte und Junge, Familien und Alleinstehende, Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener sozialer Schichten.

Da die Steuerungsmöglichkeiten der Kommunen Grenzen haben, begrüßen wir es, dass die SPD im Bund künftig unterbinden will, dass Maklerprovisionen für Mietwohnungen auf Wohnungssuchende abgewälzt werden können und dass Mieten bei Neueinzügen mehr als 10% steigen dürfen. Eine solche Mietpreisbremse ist dringen nötig – gerade in Tübingen!

Dorothea Kliche-Behnke

 

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AKTUELLES

Gestaltungsspielraum dank Rekordsteuereinnahmen, Haushaltskonsolidierung und Politikwechsel im Land

Zur Jahreshauptversammlung der Tübinger SPD am 20. 04. 2013 hier der Bericht der SPD-Gemeinderatsfraktion

Der Gestaltungsspielraum für die Tübinger Kommunalpolitik hat sich erheblich verbessert. So liegen der Überschuss bei den laufenden Einnahmen und Ausgaben (Verwaltungshaushalt) und damit der Finanzrahmen für Investitionen im Jahr 2012 bei nie dagewesenen 30 Millionen Euro. Ermöglicht wird dies durch Rekordsteuereinnahmen (2013 werden 33 Millionen mehr erwartet als im Krisenjahr 2009), 5 Millionen Einsparungen durch die Haushaltskonsolidierung, 5 Millionen Mehreinnahmen durch die Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuer sowie von Gebühren und durch die erhöhten Zuschüsse der Landes für Kinderbetreuung und Schulsozialarbeit (ein Plus von über 6 Millionen). Die verbesserte Finanzlage muss aber auch zu spürbaren Verbesserungen vor Ort führen. Für die SPD hat dabei weiterhin die Bildungspolitik klare Priorität. So ist Tübingen zur Hauptstadt der Gemeinschaftsschulen geworden mit 3 Starterschulen.

Zu einzelnen Themenfeldern des letzten Jahres:

Haushalt und Finanzen
Für das Jahr 2013 werden für Tübingen erneut Rekordnettosteuereinnahmen von 88 Millionen Euro erwartet. Das schafft Handlungsspielräume. Dennoch muss uns gerade nach der Achterbahnfahrt der letzten Jahre bewusst sein, dass „nach der Krise“ auch „vor der Krise“ heißen kann. Deshalb ist es wichtig, dass die Mehreinnahmen auch zur Schuldentilgung und Rücklagenbildung genutzt werden.

Ausgequetscht ist die Zitrone in vielen Bereichen der Stadtverwaltung. Deshalb werden von der SPD auch wieder Stellenschaffungen in der Bau- und Sozialverwaltung etwa befürwortet. Aber auch die vielen das Tübinger Leben prägenden Vereine sollen nach unserer Ansicht von der verbesserten Finanzlage profitieren. Nachdem die Verwaltung auf einen SPD-Antrag hin die Situation der Beschäftigten bei den Zuschussempfängern der Stadt erhoben hat, gibt es jetzt eine Grundlage, um die gestiegenen Personalkosten bei den Zuschüssen zu berücksichtigen. Es bleibt weiterhin richtig, sowohl im Kultur- als auch im Sozialbereich auf der Grundlage zum Teil noch zu erarbeitender Konzeptionen zu entscheiden, was durch die Kommune finanziert wird.

Bildung und Betreuung
Tübingen ist Spitzenreiter bei Betreuungsquote bei den unter 3-Jährigen in ganz Baden-Württemberg. Der gesetzliche Anspruch auf eine Kleinkindbetreuung ab August 2013 muss uns nicht schrecken. Darauf sind wir Sozialdemokraten, die wir den Ausbau immer vorangetrieben haben, stolz. Jetzt geht es an die Feinarbeiten wie etwa eine stadtteil- und quartiersbezogene Bedarfsplanung.

Nachdem die Planungen für Kinderhäuser in Hirschau und Lustnau umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht worden sind, wurde jetzt auf unseren Antrag hin auch die Planung für einen dringend nötigen Kindergartenneubau in Hagelloch aufgenommen. Wir werden uns für eine rasche Realisierung einsetzen.

In Tübingen sind im September 2012 gleich 3 Gemeinschaftsschulen erfolgreich gestartet. In der Französischen Schule geht einzigartig in Baden-Württemberg das gemeinsame Lernen aus der Grundschule heraus auch in Klasse 5 weiter, in der Innenstadt wird ab diesem Jahr die Gemeinschaftsschule auf 4 oder 5 Züge erweitert und an der GSS wurde die Erweiterte Kooperation erfolgreich zur Gemeinschaftsschule weiterentwickelt. Wir sorgen dafür, dass die räumlichen und personellen Voraussetzungen für den Erfolg der Schulen gegeben sind, allerdings nicht auf Kosten anderer Schulen. So haben wir insbesondere weitere Investitionen in der Südstadt (Mensa im Feuerhägle, Erweiterung der GS Hechinger Eck bzw. der Ludwig-Krapf-Schule) beantragt. Nicht nur bei den Gemeinschaftsschulen, wo es ohnehin verpflichtend ist, achten wir darauf, dass Inklusion immer mitgedacht wird.

Ein Dauerstreitpunkt im Tübinger Gemeinderat bleibt die Subvention des Mittagessens an Tübinger Schulen. Die letzte Abstimmung haben wir knapp verloren. Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass Schülerinnen und Schüler in Tübingen nicht mehr als 4 Euro für ein Mittagessen bezahlen müssen. Die Folgen der hohen Preise sind schon spürbar: die Essenszahlen an den Mensen gehen zurück. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass irgendwann, wenn es sein muss auch ohne die Grünen, die bei dieser Frage unbelehrbar scheinen, eine Mehrheit für eine höhere Bezuschussung zustande kommt.

Stadtentwicklung und Wohnen
Ganz im Vordergrund steht aktuell die Entwicklung des Südlichen Stadtzentrums. Die intensive Bürgerbeteiligung dabei geht auf einen SPD-Antrag zurück. Die Neugestaltung des Zinserdreiecks gewinnt allmählich Kontur und eine Sperrung der Mühlstrasse steht der SPD-Position folgend erst einmal nicht mehr auf der Tagesordnung. Wie wir es schon immer gefordert haben, müssen erst Entlastungen insbesondere für die Weststadt realisiert werden bevor an einen Bürgerentscheid zu denken ist.

Bei der Neugestaltung des Uni-Campus blieben Land und Universität eine schlüssige Begründung für die Entscheidung zugunsten eines Neubaus der Mensa bislang schuldig. Wir werden sehr darauf achten, dass die in der Planungswerkstatt, die auf unsere Initiative hin zustande kam¸ entwickelten und von der Verwaltung formulierten städtebaulichen Kriterien bei der Campus-Entwicklung berücksichtigt werden.

Erfreulich ist, dass auch auf unser Engagement hin beim Wettbewerb zum Güterbahnhof ein Entwurf zur Grundlage der weiteren Planungen wurde, der die weitgehende Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes einschließlich des Beobachtungsstands der Nazis vorsieht. Wir können uns in dem Gebäude gut das Stadtarchiv und Räumlichkeiten für das Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus vorstellen.

Ein wichtiges Thema bleibt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum insbesondere für Studenten und Familien in Tübingen. Wir werden wie bei Alten Weberei auch bei zukünftigen Projekten darauf drängen, dass auch geförderter Wohnraum in relevantem Anteil entsteht. Energetische Sanierungen dürfen nicht dazu führen, dass die Wohnungen anschließend für die MieterInnen nicht mehr bezahlbar sind.

Kultur
Am spannendsten war in den letzten Monaten vielleicht die Arbeit im Kulturausschuss. Es ist gut und überfällig, dass die Ehrenbürgerschaften von Adolf Scheef und Theodor Häring nicht länger bestehen bleiben werden, wie es SPD und Grüne beantragt haben. Es ist auch richtig, dass wir bei der Bewertung von Hans Gmelin eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage für die Bewertung seiner Ehrenbürgerschaft in Auftrag gegeben haben. Klaus te Wildt hat einen sehr guten Text für eine Tafel im Ratssaal entworfen zur Erinnerung an die von den Nazis aus dem Gemeinderat vertriebenen Stadträte.

2014 jährt sich der Tübinger Vertrag zum 500. Mal. Es ist richtig, dass die Stadt mit einer Ausstellung und weiteren Veranstaltungen an dieses wichtige Ereignis erinnert. Genauso richtig ist es aber aus Sicht der SPD-Fraktion, dass nicht übereilt ein 1 Million Euro teures Ausstellungskonzept beschlossen wurde. Wir traten da auf die Bremse und sind jetzt aber optimistisch, dass die Kunsthalle selbst für weniger Geld ein tragfähiges Konzept auf die Beine stellen wird.

Sport
Die weitere Abarbeitung der Prioritätenliste beim Sportplatzbau geht mit der Realisierung des Platzes in Bühl nicht zuletzt auf Druck der SPD-Fraktion bei den letzten Haushaltsverhandlungen weiter. Für Pfrondorf, Hirschau und Lustnau geht es jetzt darum, eine vernünftige Realisierungsperspektive zu schaffen.

Problematisch und nochmals verschärft durch den zeitweiligen Wegfall der Sporthalle am Uhlandgymnasium ist die aktuelle Situation des Schulsports. Hier kann wahrscheinlich nur der Bau einer zusätzlichen Halle, der auch dem Vereinssport helfen würde, für Abhilfe sorgen.

Diskutiert werden derzeit neue Förderrichtlinien im Sport. Wir sind optimistisch, dass die Vereine selbst einen Konsens untereinander finden, wie die Gelder für die Kinder- und Jugendarbeit einerseits und die Spitzensportförderung andererseits zukünftig verteilt werden sollen.

Ökologie und Umwelt
Kaum ein Thema hat die Gemüter zuletzt mehr erhitzt als die Einführung von Tempo 30 in der Innenstadt. Wir stehen zu Tempo 30 innerorts mit Ausnahme der Hauptdurchgangsstraßen, sehen das allerdings nicht ideologisch. Wo Tempo 40 die gleichen Effekte auf Luftreinhaltung, Lärmminderung und Verkehrssicherheit bringt, kann dies eine Alternative sein.

Wir unterstützen ausdrücklich die Strategie der Tübinger Stadtwerke, in den nächsten  Jahren 50 Millionen Euro in erneuerbare Energie zu investieren. Die aktuell erfolgte Gründung einer eigenen Gesellschaft „Ecowerk“ war hierfür ein wichtiger Schritt. Wenn wir Windenergie zu wichtigsten Pfeiler unserer Energieversorgung machen wollen, müssen wir auch vor der eigenen Haustüre, soll heißen in Kressbach, prüfen, was geht.

Ausblick:
2014 stehen gleich 3 wichtige Wahlen an: Michael Lucke wird sich nicht zur Wiederwahl als Erster Bürgermeister stellen. Nicht nur wir Sozialdemokraten in Tübingen wissen, welche herausragenden Verdienste sich Michael um unsere Stadt erworben hat. Dafür und für jahrelange hervorragende Zusammenarbeit bedankt sich die SPD-Fraktion herzlich bei ihm. Wir hoffen, dass wir das für uns so wichtige Amt des Sozialbürgermeisters wieder mit einem oder besser einer Sozialdemokratin besetzen werden können. Wir können auch selbstbewusst in die Kommunal- und OB-Wahlen im kommenden Jahr gehen. Mit den Vorbereitungen gilt es bald anzufangen, um dann nach der Bundestagswahl richtig loszulegen. Gehen wir es gemeinsam an.

Martin Sökler
Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion   

 

 

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AKTUELLES

Sie sind nicht vergessen

Der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 18. März ist ein Gedenken an die Gleichschaltung vom März 1933 vorangestellt worden.
Für den Gemeinderat sprach dazu Klaus te Wildt, der auch den Text der Gedenktafel verfasste.

Hier der Text seiner Rede:

Sie sind nicht vergessen.

 Die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten begann mit der Gleichschaltung.
Am 31. März 1933 wurden auch in Tübingen die frei gewählten Mitglieder
des Gemeinderats aus ihren Ämtern vertrieben.
Viele wurden Opfer von Unrecht und Verfolgung.
Sie wurden überwacht, bedroht, in KZ-Haft verbracht oder erlitten berufliche Nachteile und Diskriminierung im Alltag.

Zu ihnen zählten
Hugo Benzinger (KPD) – Dr. Simon Hayum (DDP)
Josef Held (Zentrum) – Otto Koch (SPD) – Josef Schleicher (Zentrum)
Paul Schwarz (Zentrum) – Arno Vödisch (SPD)

Die Universitätsstadt Tübingen bewahrt Ihnen ein ehrendes Andenken.

 Tübingen, im März 2013

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kolleginnen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Die Fraktionen des Tübinger Gemeinderats sind übereingekommen, mit einer Tafel der Kollegen zu gedenken, die, frei gewählt, im März vor 80 Jahren vom sich etablierenden Naziregime aus ihren Ämtern vertrieben wurden. Die Tafel soll den soeben zitierten Text tragen. Wir stellen uns vor, sie im historischen Rathaus anzubringen. Damit wollen wir zeigen, dass unsere Vorgänger, die sich in der ersten deutschen Demokratie für unsere Stadt eingesetzt haben, nicht vergessen sind; in einem sichtbaren Akt der Solidarität wollen wir sie in unsere Mitte zurückholen.

Die Idee zu einer derartigen Erinnerung wurde im Herbst 2008 geboren. Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis man zu der jetzigen Übereinkunft kam. In den 60 Jahren zuvor nichts! Nazis und Nazi-Verstrickte wurden mit Ehrenbürgerwürden und Straßenbenennungen geehrt. Die Opfer der Gleichschaltung von März 1933 wurden vergessen. Die Linke hat es früh beklagt, meine Fraktion hat eine Gedenktafel vorgeschlagen. Die Fraktionen des Gemeinderats haben sich bald angeschlossen. Ganz zuletzt einigten wir uns auf den vorliegenden Text.

Unrecht geschah allen, die ihr Mandat verloren. Manche arrangierten sich mit dem Regime. Wir wollen mit der Tafel aber nicht so sehr an das Unrecht, sondern vor allem an die Menschen, erinnern, denen auch in der Folgezeit Gewalt angetan wurde. Darüber wird im April an diesem Ort die Geschichtswerkstatt berichten, der wir die fundierte Zusammenstellung vor allem auch der biographischen Daten verdanken.

Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, haben das Gedenken an die vor 80 Jahren erfolgte Gleichschaltung auch des Tübinger Gemeinderats der Tagesordnung unserer heutigen Sitzung vorangestellt. Es ist wichtig, an das historische Geschehen zu erinnern. Kaum einer unter uns, der nicht wieder und wieder für sich oder im Gespräch mit anderen die Ungeheuerlichkeit zu erfassen und damit irgendwie zu bannen versucht hat. Terrorherrschaft, die ohne Verzug und Verkleidung begann, als dieses Land sich den Nationalsozialisten auslieferte. Man ist verführt, in einer Art rückwärtsgewandtem Wunschdenken zu rufen: ‚Wenn es doch nur dabei geblieben wäre‘. Gleichschaltung, ja, die war Unrecht, aber es haben einige doch „nur“ ihr Mandat verloren. Vor dem, was danach kam, Terrorherrschaft, der millionenfache Mord an den europäischen Juden, der ungeheure Krieg, vor alldem verblasst doch diese vergleichsweise harmlose Geschichte. Lässt nicht ein besonderes Gedenken an die Gleichschaltung den Sinn für Proportionen vermissen?

Man muss nicht lange nachdenken: Folgerichtig, unbeirrbar, mit voller Brutalität, ohne Zögern und Tasten, haben sich die Nazis vom ersten Tag an ihren Weg gebahnt. Das Ziel hieß Mord. Deshalb ist es Pflicht, an die ersten Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel zu erinnern und deutlich zu machen, wie es anfing.

Martin Niemöller hat es prägnant zum Ausdruck gebracht, das Zitat ist bekannt, es erfasst nicht einmal die ganze furchtbare Wahrheit:

Als sie die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Kommunist. Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Jude. Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Katholik. Als sie mich holten, war niemand mehr da, der seine Stimme hätte erheben können.

Wir erinnern uns also zu Recht an die ersten Gewaltakte, müssen uns aber auch fragen, was die Erinnerung bewirken soll. Selbstzweck ist sie nicht. Erinnerung an die längst verstorbenen Opfer der Barbarei bringt diesen weder Rettung noch Trost.

Damit es nie wieder geschehe, lautet die regelmäßig zu hörende, etwas hilflose Floskel, mit der wir glauben, auf der sicheren Seite zu sein. Wir demonstrieren vielleicht gegen Neonazis, womöglich und nicht unbedenklich mit dem durchgestrichene Firmenlogo der Mörderbande am Revers.

Es bedarf einer größeren Anstrengung: –

Zunächst dürfen wir dankbar sein, seit knapp 70 Jahren in Frieden zu leben, in einer gefestigten Demokratie, in einem funktionierenden Rechtsstaat. Wir haben unbedingt Grund, das alles zu schützen und zu verteidigen. Gleichschaltung auch nur annähernd von der gewaltsamen Art, wie sie vor 80 Jahren ins Werk gesetzt wurde, ist nicht zu befürchten.

Zur Besorgnis freilich gibt es dennoch mancherlei Anlass. Zu denken ist an die Gefahren, die von Anpassung und Selbstgleichschaltung ausgehen. Ruhe und Konsens sind bei uns beinahe Staatsraison. Kritisches Denken wird zunehmend als anstrengend und lästig empfunden. Die Politik, wie wir sie erfahren, bedient und bestärkt die Trägheit. ‚Alles wird gut‘, damit soll es getan sein. – Streit – nein danke. Schielen auf Wählerstimmen. Man vertraut der sogenannten Schwarmintelligenz von Netzwerken, statt sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Alles in allem eine Tendenz nicht zum Guten. Wie groß ist unsere Bereitschaft, mit Ambivalenz und Widersprüchen zu leben? Einzuräumen, dass es die eine Wahrheit nicht gibt. Sich zum Zweifel zu bekennen.

Es sind die Werte der Aufklärung, die nicht in Gefahr geraten dürfen. Sapere aude, (Wage es, vernünftig zu sein!) –

Und: Die Bereitschaft, sich zu empören, darf nicht verloren gehen. Empörung, Aufbegehren ist das, was die Nationalsozialisten buchstäblich mit Mord und Totschlag unterdrückt haben.

Das Aufbegehren ist auch heute höchst unerwünscht. Empörung stört die Behaglichkeit, in der wir uns eingerichtet haben. Daraus erwächst die Gefahr der schleichenden Selbstgleichschaltung.

Hier muss das „Nie wieder“ ansetzen: Sich nicht zufrieden geben. Das, was gut ist schützen. Das, was nicht gut ist, benennen. – Und ändern. Protest erheben, sich unbeliebt machen. Mit dem Wachrütteln bei sich anfangen. Das ist anstrengend, aber das ist der beste Schutz vor einer neuen Barbarei.

 

 

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ANTRÄGE

TÜBus – für eine verbesserte Tarifstruktur

Zur Behandlung im Verkehrsbeirat Antrag der SPD-Fraktion vom 8. März 2013

1. Es wird eine Mitnahmeregelung für Kinder zum Tagesticket Solo geschaffen.
2. Es wird ein Vorschlag erarbeitet, der die Einführung eines übertragbaren ‚Winterabos‘ ermöglicht.

Begründung:

1. Mitnahmeregelung für Kinder:
In der derzeitigen Tarifstruktur gibt es für Erwachsene die Möglichkeit ein Tagesticket zu lösen. Für Kinder zwischen 6 und 14 gibt es aufgrund der Zuschussbedingungen für das Schülermonatsticket nicht die Möglichkeit ein Tagesticket einzuführen. Es sollte jedoch möglich sein die Mitnahmeregelungen so anzupassen, dass ein vergleichbarer Effekt erreicht wird.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Eine Mama fährt am Samstag Morgen mit ihrem 6-jährigen Kind in die Stadt auf den Markt. Sie kochen sich dann zu Hause etwas, und wollen am Nachmittag ins Hallenbad Nord. Die Mutter kauft ein Tagesticket für 3,70 € für sich und für ihr Kind braucht sie 4 Einzelfahrscheine zu je 1,- € (Kartenzahlungspreise).
Ein Mitnahmeticket zu 2,50 € (2,- € Kartenzahlung) pro Kind, welches in Kombination mit einem Tagesticket Solo gilt, könnte das Problem lösen.
Sollten auch hiergegen Zuschussregelungen sprechen, so bitten wir um Darstellung, ob wenigstens eine Möglichkeit für die Wochenenden besteht und ob/wie eine Änderung der Vorgaben an höherer Stelle versucht werden kann.

2. Winterabo:
Es gibt einen Bedarf an einem solchen Ticket. Der Spagat zwischen einer attraktiven Ticketgestaltung und negativen Effekten zum Jahresabo sollte doch lösbar sein. Als Angebotsabrundung ist gerade ein  übertragbares ‚Winterabo‘ gut geeignet um Bedürfnissen von FußgängerInnen, RadfahrerInnen und AutofahrerInnen gerade in der Zeit von Kälte, Schnee und Eis entgegen zu kommen.

Für die SPD-Fraktion
Hannah Tiesler

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MITTWOCHSPALTEN

Wohnen darf kein Luxus sein

MITTWOCHSPALTE DER SPD-FRAKTION VOM 13. FEBRUAR 2013

Wohnungsnot, steigende Mieten und Energiekosten werden wie in vielen Groß- und Universitätsstädten auch in Tübingen immer mehr zum Thema. Wir erleben nicht nur alle Jahre wieder zweimal zu Semesterbeginn die schwierige Suche der Studierenden nach einer Bleibe. Auch Familien haben es schwer bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in unserer Stadt, die beim Mietniveau in einem bundesweiten Ranking aktuell Platz 7 einnimmt. Was heißt das für die Politik? Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau. Obwohl Tübingen auch bislang nicht untätig war und die Hälfte der Mittel aus dem 2009 aufgelegten Förderprogramm des Landes für ganz Baden-Württemberg abgerufen hat, hat sich die Zahl geförderter Wohnungen in Tübingen in den letzten zehn Jahren halbiert. Die SPD-Fraktion will deshalb die Handlungsspielräume der GWG beim sozialen Wohnungsbau durch eine Erhöhung des Eigenkapitals vergrößern. Dazu haben wir eine Million Euro im Haushalt 2013 beantragt.

Stärken wollen wir die GWG-Finanzausstattung noch aus einem zweiten Grund. Der Bau von 19 betreuten Seniorenwohnungen in Pfrondorf war ein voller Erfolg. Wir wollen, dass unsere Wohnungsbaugesellschaft nach diesem Modell auch in anderen Teilorten und Ortsteilen tätig wird, damit Menschen im Alter, auch wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind, in ihrem Ort wohnen bleiben können.

Ein zweiter Schwerpunkt der SPD bei den Haushaltsberatungen wird das Thema Bildung und Betreuung sein. Der Neubau des Kindergartens in Hagelloch ist dringend nötig. Wir wollen ihn jetzt rasch ermöglichen. Ein Thema bleibt für uns der Preis des Schulessens in Tübingen. Bei bis zu 4,30 Euro/Essen sind die Essenszahlen in der Mensa Uhlandstrasse dramatisch rückläufig. Es kann niemand wollen, dass wir für Millionen eine schöne Mensa bauen und dann keiner hingeht. Uns sollte das Mittagessen unser Kinder nicht weniger wert sein als vielen Betrieben das Kantinenessen der Eltern. Wir beantragen eine Deckelung der Essenspreise bei 3,50 Euro.

Schließlich will die SPD auf dem Weg zur gebührenfreien Bildung vom Kindergarten bis zum Studium einen Schritt vorankommen. Wir beantragen ein gebührenfreies Kinderbetreuungsjahr. Wann, wenn nicht jetzt, nachdem der Ausbau der Kleinkindbetreuung zur Erfüllung des Rechtsanspruchs geschafft ist, Steuereinnahmen in Rekordhöhe fließen und wir vom Land über 6 Millionen für die Kleinkinderbetreuung mehr bekommen, sollte es gelingen, Familien mit Kindern bei den Kosten für Bildung zu entlasten?

Dr. Martin Sökler
Fraktionsvorsitzender