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AKTUELLES PRESSEMITTEILUNGEN WEITERES

Stellungnahme der SPD-Fraktion zum interkommunalen Windpark Rammert im Gemeinderat durch Stadtrat Gerhard Neth

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich muss einräumen, dass die heutige Debatte und die anschließende Abstimmung über den Windpark Rammert zu den schwierigsten Kommunalpolitischen Entscheidungen in meiner Zeit als Ortschafts-und/oder Gemeinderat zählt.
Nicht weil ich von der Sache nicht überzeugt bin, sondern weil neben Fakten in der ganzen Diskussion um den Windpark auch viel Emotionen in teils schwierige und langwierige Diskussionen hineingetragen wurden.
Mein berufliches Leben war von Wald geprägt und ich bin dem Wald speziell dem Rammert nach wie vor eng verbunden. Zudem habe ich lange Jahre als Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Verantwortung für Bühl übernommen, dem Tübinger Teilort der jetzt mit 4 WEA im Staatswalddistrikt „Bühler Wald“ in der Planung des Windparks steht und von wo aus sich in den letzten Wochen eine Bürgerinitiative gegen den Windpark formiert hat.
Ich bitte deshalb um Verständnis wenn die Stellungnahme heute etwas länger und emotionaler als sonst üblich wird.
Die ernsthaften Sorgen und Bedenken die zum Eingriff in den Wald, zum Natur- und Artenschutz, zur Lärmbelastung und zur Veränderung der Landschaft vorgetragen wurden, werden von der SPD-Fraktion keinesfalls ausgeblendet (wie heute in einem Leserbrief unterstellt wurde), sondern sind Teil eines – zugegebenermaßen – schwierigen Abwägungsprozesses.
Zugegeben es macht mehr Spaß über den Baubeschluss für einen neuen Kindergarten abzustimmen. Aber auch heute treffen wir eine Entscheidung die für unsere Kinder und Enkelkinder von Bedeutung sein wird, denn Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen werden im Zuge der Daseinsvorsorge ganz sicher eine zentrale Aufgabe im kommunalen Handeln der kommenden Jahre sein. Wir wollen kommende Generationen mit dem heutigen Votum nicht weiter mit hochradioaktiven Castorbehältern belasten und ihnen nicht ein „weiter so“ mit allen negativen Folgen von fossilen Energieträgern zumuten. Das Gegenteil ist unser Ziel!
Im Grunde genommen beschließen wir heute ja auch nichts Neues; wir haben uns vor der Sommerpause intensiv mit der Fortschreibung des Städtischen Klimaschutzprogramms auseinandergesetzt. Dort steht ausdrücklich drin, dass wir den Ausbau von Windenergie auch auf Tübinger Gemarkung voranbringen wollen um das Ziel der Klimaneutralität unserer Stadt nicht aus den Augen zu verlieren. Dieser politische Wille zum städtischen Klimaschutz wurde hier im Ratssaal mit großer Mehrheit beschlossen. Es wäre ein schlechtes Signal, wenn wir dieses Ziel schon beim ersten ernsthaften Gegenwind wieder infrage stellen.
„Strom aus Windenergieanlagen ist dezentral gewonnene Energie. Energieträger wie Steinkohle, Erdgas oder Mineralöl werden in politisch teilweise instabilen Regionen mit geringen Sozial- und Umweltstandards abgebaut und nach Deutschland importiert. Dies schafft dauerhafte politische Abhängigkeiten. Windstrom hingegen kann in Baden- Württemberg zu großen Teilen dort erzeugt werden, wo er verbraucht wird.“
Dieses Zitat habe ich aus einem gemeinsamen Positionspapier von BUND und NABU entnommen. Ähnliche Formulierungen finden sich im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU in der Landesregierung und in vielen weiteren Stellungnahmen von Parteien und Verbänden zur Dringlichkeit der Energiewende. Dies entspricht auch der Position der SPD.
Den Strom dort zu erzeugen wo er gebraucht ist auch ein wichtiger Faktor in der Daseinsvorsorge für Tübingen, denn wir brauchen künftig viel Strom. Z.B. zur Umrüstung unserer Busflotte auf E-Mobilität, für die kommunale Wärmewende, für Rechenzentren nicht nur an der Uni, für Hochleistungsmedizin im Uni-Klinikum….. die Reihe lässt sich weiter fortsetzen.
Abkehr von fossilen Energieträgern, Verzicht auf Kernenergie, Ausbau erneuerbarer Energie, keine Abhängigkeit von Gas- und Öllieferungen aus politisch schwierigen Regionen…..das alles spiegelt auch den Konsens in vielen Diskussionen die wir geführt haben wider.
Über die grundsätzlichen Dinge zur Windkraft brauchen wir deshalb nicht zu diskutieren, es geht in der öffentlichen Kritik offensichtlich allein um den Standort „Rammert“.
Die Erhaltung des Rammerts als naturnahes und klimastabiles Waldsystem mit hohem ökologischem und ökonomischem Wert liegt uns allen am Herzen. Er ist unbestritten mehr als eine Ansammlung von „Bäumen und Spazierwegen“ (vgl. PM NABU Tü vom 23.09.).
Deshalb ist der Rammert auf großer Fläche ja auch bereits mit vielen Schutzkulissen überzogen die die Errichtung von WEA von vorneherein ausschließen. FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiet Natura 2000, Naturschutzgebiete, Bann- und Schonwälder, Walrefugien etc. sorgen auf nahezu 5000 ha Waldfläche für gute Habitatstrukturen und Biotopvernetzungen.
Für WEA im Raum Tübingen kommt deshalb nur der vom RVNA ausgewählte und mittlerweile per Satzung beschlossene Bereich des Vorranggebiets TÜ01 im Bereich Weilheim, Kilchberg, Bühl und Dußlingen in Frage. Schönbuch, Spitzberg und Großholz bleiben außen vor. Das ist gut so und sorgt dafür, dass Tübingen nicht von Windrädern umzingelt werden kann.
Das wollen wir übrigens (was immer wieder gefordert wird) auch den Menschen und der Natur auf der Alb nicht zumuten. Ökologie und Artenschutz ist überall gleich zu bewerten und spielt auch auf der Alb eine große Rolle. Den dezentralen Ansatz den das Gesetz mit den verstreut liegenden Vorranggebieten vorsieht finden wir deshalb richtig.
Natürlich hätten wir die Windräder alle gerne weit weg, am besten außer Sicht- und Hörweite auf einer waldfreien Kuppe mit viel Windertrag. Wir leben aber in einem dicht besiedelten – zum Glück aber doch waldreichen – Land. Beim Ziel 1,8 % der Landesfläche für Windenergie zur Verfügung zu stellen wird es deshalb nicht ohne Bereitstellung von Waldflächen gehen. Schließlich sind viele Abstands- und Schutzfaktoren einzuhalten.
Bei einer Diskussion im OR Bühl wurde mir zugerufen, ob es mir als Förster „Nicht in der Seele weh tut, wenn in diesen Wald so stark eingegriffen wird“. Ja, es schmerzt und es kommt in der Tat keine Euphorie auf. Ich bin auch nicht über Nacht vom Waldschützer zum Waldfrevler geworden der leichtfertig über diese Tatsache hinweggeht. Es empfiehlt sich in diesem Prozess aber auch ein Blick über den Rammert hinaus.
Was in der Seele (..nicht nur in meiner..) viel mehr wehtut als der sicher schmerzhafte Eingriff im Rammert ist die Waldentwicklung die sich seit den Trockenjahren ab 2017 auch in unserer Region aufgebaut hat und deren Schäden durch Klimaveränderungen 2026 nicht mehr zu übersehen sind. Übrigens auch nicht mehr in unseren Streuobstwiesen….

Leider ist der Wald heute zunehmend Betroffener und nicht mehr nur Teil der Lösung in der Klimafrage.
„Waldschutz ist Klimaschutz“ war auf Plakaten vor der Rammerthalle zu lesen, mittlerweile müssen wir von der Umkehr ausgehen: „Ohne Klimaschutz wird Waldschutz nicht mehr möglich sein“. Ich neige nicht zu „Horrorvisionen“ aber Veröffentlichungen von Forstlichen Forschungseinrichtungen und das Studium entsprechender Fachliteratur stimmen hier nicht sehr optimistisch. Wir müssen konstatieren, dass unsere Wälder nicht mehr weit vom Kipppunkt entfernt sind.
So geht die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald davon aus, dass unsere Hauptbaumart Buche in Mitteleuropa aufgrund der Trockenheit massiv an Fläche verlieren wird. Prof. Hartmann vom Waldbau Institut in Göttingen berichtet, dass in Deutschland seit 2017 über 900.000 ha Walddeckung verloren gegangen sind. Tendenz steigend. Die Zahl der Publikationen die eine ähnliche Entwicklung bei vielen heimischen Baumarten belegen steigt. Ein renommierter Forstwissenschaftler hat es bei einem Vortrag jüngst auf den Punkt gebracht. „Wenn wir so weitermachen wird es in 30 Jahren keinen Wald heutiger Prägung mehr geben“
Das tut mir und meinen Kolleginnen und Kollegen die aktuell Verantwortung für den Wald tragen in der in der Seele weh. Das ist für uns ein entscheidender Faktor in der Abwägung einen Windpark Rammert zu akzeptieren.
Wir retten allein mit diesen Windrädern nicht das Weltklima – wie oft in Diskussionen eingeworfen wird – im Gesamtpaket mit PV-Anlagen, Batteriespeichern und weiterer Förderung erneuerbarer Energien leisten wir aber doch einen wichtigen Beitrag zum regionalen Klimaschutz und zur Daseinsvorsorge.
Wir wollen nichts schönreden, insbesondere während der Bauphase ist der Erholungswert in diesem Teil des Rammerts eingeschränkt und Flora und Fauna werden stärker belastet. Aber es wird auch keine Autobahn durch den Wald gebaut die den Rammert auf Dauer und irreversibel zerschneidet. Diese „Horrorvision“ die immer wieder vorgetragen wird trifft sicher nicht zu.
Beim Artenschutz vertrauen wir auf die Qualität der eingereichten Gutachten und auf die sorgfältige Prüfung durch die Genehmigungsbehörden. Wenn hier wie vom NABU gefordert noch weiterer Gesprächs- und Klärungsbedarf notwendig sein sollte, fordern wir die Genehmigungsbehörde auf, diese Themen aufzugreifen und abzuklären. Es ist uns allen gedient, wenn dieser Prozess so transparent wie möglich gestaltet wird.
Für uns wichtig ist die Aussage in der Vorlage zur Natura 2000-Verträglichkeitsuntersuchung. Demnach kann also mit ausreichender Sicherheit von einer Verträglichkeit des geplanten Windparks mit den Zielen der Natura 2000 Gebiete ausgegangen werden.
Wo Ausgleichsmaßnahmen erforderlich sind, werden wir wie bei anderen Projekten regelmäßig bezüglich der Umsetzung nachhaken. Es liegt sicher auch im Interesse der Stadtwerke, dass diese Maßnahmen zeitnah und erkennbar umgesetzt werden. Zur Förderung der Biodiversität werden wir weiter ein klimaangepasstes Waldmanagement im Stadtwald einfordern. Dies ist auch mit der Ausweisung weiterer Waldschutzgebiete verbunden. Klima- und Biodiversitätsschutz sind für uns gleichermaßen wichtig!

Die Sorgen die gegen eine permanente Lärmbelastung durch WEA in den angrenzenden Rammertgemeinden – Stichwort Baiereck – vorgebracht werden, blieben im bisherigen Verfahren nicht ungehört. Durch die Veränderung des Windparklayouts wurde darauf Rücksicht genommen. 4 WEA wurden bereits aus der weiteren Planung genommen. Die Abstände zur Wohnbebauung in Weilheim, Kilchberg und Bühl wurden dadurch erheblich vergrößert und liegt bereits jetzt weit über den gesetzlichen Standards.
Die strengen Vorgaben aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz sind für WEA genauso wie für andere Gewerbeanlagen in der TA Lärm spezifiziert. Dies ist bei der Erteilung von Genehmigungen sorgfältig zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass das auch so geschieht.
In der öffentlichen Veranstaltung in der Rammerthalle wurden bereits alle Positionen zur Wirtschaftlichkeit ausgetauscht. Hier zeichnet sich seit vergangener Woche durch die Entscheidung im Bundesrat eine positive Entwicklung für den Süden ab. Das begrüßen wir.
Die Kritik und das Misstrauen gegenüber den Stadtwerken, die im Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeit immer wieder vorgetragen wurde ist für uns nicht nachvollziehbar. Die swt engagieren sich schon seit Jahrzehnten – verstärkt seit dem Atomunfall in Fukushima – mit dem Thema erneuerbare Energien und sind auf diesem Geschäftsfeld sehr erfolgreich und anerkannt unterwegs. Damit Planung- und Wertschöpfung in der Region verwurzelt werden haben wir hier im Rat schon früh die Weichen dafür gestellt, dass unsere Stadtwerke das Projekt federführend übernehmen können. Wir setzen als SPD-Fraktion hier weiterhin großes Vertrauen in unsere Stadtwerke.
Ein Blick auf die swt Homepage lohnt sich und beantwortet dazu viele Fragen. Wir sind sicher, dass die Geschäftsführung und der AR auch im Fall Windpark Rammert sehr klar und besonnen vorgehen. Das Unternehmen swt mit über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein verlässlicher Partner in der Daseinsvorsorge der Stadt und wird keine Investitionsentscheidung für einen Windpark treffen der das Unternehmen und die Stadt in eine finanzielle Schieflage bringen kann.
Wir stehen deshalb zu unseren Beschlüssen im Klimaschutzprogramm und unterstützen das Vorhaben der swt im Rammert einen interkommunalen Windpark zu errichten!

Zum Schluss noch eine persönliche Erklärung:
Trotz zahlreicher öffentlicher Info-Veranstaltungen und Gremiensitzungen konnten nicht alle Bedenken gegen das Projekt ausgeräumt und alle Menschen überzeugt werden. Das ist bei einem so großen Projekt normal und unvermeidbar – es ist auch verständlich und nachvollziehbar, dass hier viele Emotionen im Spiel sind. Schließlich fühlen wir uns alle dem Wald eng verbunden.
Es gehört zu einem guten demokratischen Diskurs, dass unterschiedliche Meinungen auch dezidiert vorgetragen werden. Es gehört aber auch dazu, dass man unterschiedliche Meinungen akzeptiert und die getroffene Entscheidung respektiert. Das war nicht immer und überall der Fall, die Ortschaftsrätinnen und Ortschaftsräte in den betroffenen Teilorten waren in den vergangenen Wochen deshalb starkem Druck ausgesetzt. Deshalb von unserer Seite aus ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement.
Dem OR Bühl danke ich, dass er weiter mehrheitlich zum Windparkprojekt steht, ich werde deshalb dem Änderungsantrag aus Bühl zustimmen.

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AKTUELLES MITTWOCHSPALTEN PRESSEMITTEILUNGEN

Mittwochspalte vom 30. September

Auch diese Woche erreichen uns wieder Ausläufer der Hitzewellen aus dem Südwesten Europas. Mit Temperaturen bis zu 28 Grad Ende September werden die Folgen des Klimawandels für unsere Stadt einmal mehr offensichtlich. Trockenheit und neue Hitzerekorde haben uns allen persönlich, aber auch dem Stadtgrün und dem Wald, massiv zugesetzt. Als SPD-Fraktion haben wir uns besonders dafür eingesetzt, dem Thema Klimaanpassungsmaßnahmen in der Fortschreibung des Tübinger Klimaschutzprogramms angemessenen Raum zu geben. Und das ist – im Wortsinn – eine Gemeinschaftsaufgabe! Wir alle sind gefragt, über die eigenen Möglichkeiten nachzudenken. Mit einer Installation von PV auf dem Hausdach oder eines sog. Balkonkraftwerks für die Mietwohnung beginnt die Energiewende. Mit insektenfreundlicher Umgestaltung des Gartens der eigene Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Kleine Maßnahmen, für die es viel Beratung und Unterstützung, u.a. durch die Stadtverwaltung, gibt. Natürlich retten wir damit nicht das Weltklima. Dazu braucht es regional und global noch größere Anstrengungen.

Der Windkraft kommt darin als „Motor der Energiewende“ eine besondere Bedeutung zu. In der letzten Infoveranstaltung zum Windpark Rammert wurde u.a. der Flächenverbrauch in den vorgesehenen Waldstandorten kritisiert. Dabei wird die Leistungsfähigkeit von Windenergieanlagen meist ausgeblendet. So entspricht z.B. die Gesamtleistung eines Windrads der Stromerzeugung der ganzen 8 ha großen PV-Freiflächenanlage in den Tübinger Traufwiesen. Die positive Energiebilanz von Windrädern ist unbestritten, moderne Anlagen haben ihren eigenen CO2-Ausstoß bereits nach einem halben Jahr amortisiert, auch der schmerzhafte Verlust von Waldfläche wird durch ein Vielfaches an CO2-Einsparung kompensiert.  

Die Kritik an der Windparkplanung hat sich in letzter Zeit zunehmend auf das Thema „Wirtschaftlichkeit“ fokussiert.  Der aktuelle Bundesratsbeschluss stellt nun die finanzielle Förderung von Windkraftanlagen in windschwächeren Gebieten im Süden in Aussicht. Damit wäre die Wirtschaftlichkeit der im Rammert geplanten Anlagen weiter abgesichert. Alle anderen Kritikpunkte am geplanten Windpark müssen von den Genehmigungsbehörden sorgfältig geprüft und entschieden werden.

Die SPD-Fraktion steht zu den Beschlüssen im städtischen Klimaschutzprogramm und wird in der morgigen Gemeinderatssitzung dem Windpark Rammert zustimmen.

Ingeborg Höhne-Mack

SPD-Stadträtin

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AKTUELLES MITTWOCHSPALTEN

Mittwochspalte: eine langfristige Perspektive für das Bauen

Ja, es wird wieder mehr (und Zukunftsweisendes) gebaut, aber… es kommt bei der Beurteilung der aktuellen städtischen Bauvorhaben auch auf deren Einordnung in der Langfristperspektive an. – Wann hätten die neuen Baugebiete in den Teilorten denn eigentlich begonnen bzw. vor allem fertiggestellt sein sollen? Strütle/Weiher in Pfrondorf z.B.: ursprünglicher Baubeginn 2021, aktuell geplanter Baubeginn = 2027/28.  Oder: vom 2018 verabschiedeten Rahmenplan für die Weststadt ist noch kein Wohnungsbauvorhaben umgesetzt worden, auf WHO wird es ähnlich lange dauern. Bei all diesen Vorhaben geht es ja mit  – und besonders dringend – um barrierefreien Wohnraum für Alte und Pflegebedürftige, der immer noch nicht zur Verfügung steht; das konterkariert leider auch wesentliche Teile der Pflegestrategie der Stadt.

Gleichzeitig verschärft sich die Wohnungsnot in Tübingen in neue Extreme – der Tagblattartikel letzte Woche wirft dabei ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation der Familien. Konsequenz insgesamt: die Menschen, die Tübingen am Laufen halten: die Arzthelferin, der Handwerksgeselle, die Schulsekretärin und viele andere mit kleineren Einkommen haben ebenso wie junge Wissenschaftler:innen keine Chance mehr auf bezahlbaren und angemessenen Wohnraum in der Stadt und vergrößern den Strom der Pendler aus dem Umland oder wandern ab. So schafft sich Tübingen sein eigenes Fachkräftemangelproblem! 

Hinzu kommt das Missverhältnis zwischen einem erheblichen Wachstum an Arbeitsplätzen in den letzten Jahren gegenüber einem geringeren Zuwachs an Wohnraum. Nach Ansicht der SPD-Fraktion gerät mittlerweile aber auch die Nachverdichtungsstrategie an ihr Ende, u.a., weil hier von Privaten immer mehr Wohnraum möbliert vermietet und damit den Beschränkungen von Mietpreisen und -steigerungen entzogen wird. Und es muss berücksichtigt werden, dass die aufgrund des Klimawandels notwendigen Anpassungsstrategien ausreichende Freiflächen auch im Stadtgebiet selbst erfordern.

Die von der SPD schon lange geforderte Bebauung des Saiben muss deswegen endlich!! angegangen werden – als Chance für ein ökologisches und soziales Tübinger Modellquartier, in dem Stadtplanung und gemeinwohlorientierte Unternehmen gemeinsam bezahlbaren Wohnraum und eine inklusive Nachbarschaft schaffen können statt letztlich dazu beizutragen, dass im Umland fortwährend enorme Flächen mit Einfamilienhäusern versiegelt werden. 

Ingeborg Höhne-Mack

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Änderungsantrag zur Entwicklungsfläche am Europaplatz

 Antrag 

Der Gemeinderat beschießt folgende Änderung an den Eckpunkten und Setzungen für den Wettbewerb Entwicklungsfläche Europaplatz: 

Anlage 1 – neu: Punkt 12 Footprint der Gebäude, Punkt 13 Freiräume 

Abweichend vom aktuellen Entwurf wird der Footprint der Gebäude abgeändert und vergrößert auf 2.500 qm bis 3.500 qm (statt 2.000 bis 3.300 qm). Dementsprechend reduziert sich der Korridor für die Freiräume auf 2.500 bis 3.500 qm (statt 2.700 qm und 4.000 qm) 

Begründung 

Die aktuellen Vorschläge der Rahmendaten für Freiflächen und Footprint der Gebäude weisen ein Ungleichgewicht auf. Der Korridor ist dabei zur Zeit deutlich in Richtung Freiflächen verschoben. Das könnte als eine Vorfestlegung in diese Richtung verstanden werden. Diese wurde unserer Kenntnis nach aber nie so vorbesprochen und verabredet – weder in der Beteiligung noch im Gemeinderat. Der Vorschlag nun beide Korridore gleichgroß zu fassen, überlässt die Schwerpunkte der Fläche den Planerinnen und Planern und vermittelt so eine tatsächliche Offenheit der Planung gegenüber. Auch bietet diese vorsichtige Neudefinition des Footprints den Planungsbüros mehr Möglichkeiten für Kreativität und Gestaltung. Gleichzeitig bleiben immer noch genügend Flächen für Freiräume, die ökologisch und sozial genutzt werden können. 

Eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung der Stadt mit steigenden Einwohnerzahlen ist allerdings auch die Schaffung von Wohnraum. Der Europaplatz soll ein grünes, offenes, lebenswertes und urbanes Quartier werden, das vielen Menschen die Möglichkeit bietet, an einem zentralen Platz unserer Stadt wohnen zu können. Bei der Bebauung sollen hohe ökologische und soziale Standards eingehalten werden, die aber auch finanziert werden müssen. Diese Finanzierung von bezahlbarem Wohnraum wird eher gelingen, wenn man den Korridor der bebaubaren Fläche vergrößert. 

Für die SPD-Fraktion 

Heinrich Riethmüller 

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AKTUELLES ANTRÄGE

Änderungsantrag zur Satzung über die Erhebung einer Übernachtungssteuer

In § 2 (4) des Satzungsentwurfs wird die Ziffer „16“ durch die Ziffer „18“ ersetzt. 

Die neue Fassung von § 2 (4) lautet dann wie folgt: 

„Ausgenommen von der Besteuerung ist die entgeltliche Beherbergung von Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.“ 

Begründung: 

Gemäß §2, Absatz 1 der neuen Übernachtungssteuersatzung sind neben den gängigen Übernachtungsmöglichkeiten in Tübingen auch die Jugendherberge und der Campingplatz explizit benannt. Vor allem in der Jugendherberge übernachten viele junge Menschen unter 18 Jahre, beispielsweise für Klassenfahrten/Schullandheimaufenthalte oder andere Gruppenreisen. Nach § 2 (4) des aktuellen Satzungsentwurfs sind allerdings Kinder und Jugendliche nur bis zum vollendeten 16. Lebensjahr von der Besteuerung ausgenommen. Eine Klasse von 11.-Klässlern (im Schnitt 17 Jahre alt), die sich für 3 Übernachtungen in der Jugendherberge in Tübingen einmietet und eine Klassenstärke von 25 Jugendlichen hat, würde mit der neuen Besteuerung Mehrausgaben von 150 Euro haben. In Zeiten, in denen immer mehr Klassenreisen aus Kostengründen nicht mehr angeboten werden, erscheint uns die Besteuerung von Jugendlichen kein gutes Zeichen für eine Universitätsstadt. Die Grenze für die Besteuerung auf 18 Jahre anzuheben, ist außerdem familienfreundlicher und es ist anzunehmen, dass der Stadt dadurch keine erheblichen Einbußen entstehen. Damit folgt Tübingen Städten wie Karlsruhe, Freiburg, Albstadt und Schwäbisch-Hall. 

Für die SPD-Fraktion: 

Nathalie Denoix 

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AKTUELLES ANTRÄGE

Fragen für die Fragestunde des Gemeinderats

im Zusammenhang mit dem Streitgespräch am 05.09.2025 in der Herrmann-Hepper-Halle:

  1. Welche Kosten sind der Stadt durch das Streitgespräch inkl. Personalkosten entstanden (bitte in Summe und nach Ausgaben-Posten)?
  2. In welcher Höhe ist die AfD für die der Stadt entstandenen Kosten aufgekommen?
  3. In welcher Form hat die Stadt mit der AfD im Vorhinein eine rechtsverbindliche Vereinbarung über die Kostenübernahme getroffen?
  4. Wer ist in der Halle für die Durchsetzung der vereinbarten Regeln zuständig gewesen, insbesondere für das Verhindern von Live-Übertragungen durch Dritte?

Begründung: Das vom Oberbürgermeister der AfD als Kompensation für den Verzicht auf eine Demonstration angebotene Streitgespräch bzw. die Geschehnisse rund um diese Veranstaltung haben die Tübinger Öffentlichkeit bewegt wie kaum ein anderes Ereignis in letzter Zeit. Der Oberbürgermeister war der Auffassung, der Stadt würden durch seine Vereinbarung mit der AfD keine Kosten entstehen, sie würde finanziell dadurch sogar gewinnen. Das wurde und wird von vielen Seiten kritisch hinterfragt. Unbenommen davon sind ohnehin die Kosten für den großen Polizeieinsatz, für die das Land aufkommen muss.

Für die SPD-Fraktion: Florian Zarnetta

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AKTUELLES ANTRÄGE

Fragen für die Fragestunde des Gemeinderats

in Zusammenhang mit den Beschwerden vonseiten der Elternschaft und des Kitapersonals bezüglich stark reduzierter Essensmengen in den städtischen Kindertagesstätten trotz Gebührenerhöhungen.

  • Inwiefern wurden Sättigungs- bzw. Fleischbeilagen in den letzten Monaten erhöht bzw. verringert?
  • Wie und von wem werden die Essensmengen berechnet und wer macht die Mengenvorgaben, Stadtverwaltung oder Caterer?
  • Inwiefern wird der pädagogische Ansatz des „sich selber Schöpfens“ in die Essensberechnung mit aufgenommen?

  • Wie viele Beschwerden über nicht satte Kinder sind bei der Stadtverwaltung bisher eingegangen? Gibt es Informationen darüber wie viele Beschwerden bisher beim Caterer eingegangen sind?
  • Ist es richtig, dass der Nachtisch im Menü vollständig gestrichen wurde?

Für die SPD-Fraktion: Nathalie Denoix

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AKTUELLES ANTRÄGE

Frage für die Fragestunde des Gemeinderats

bezüglich des Kast & Schlecht-Areals in der Weststadt

  1. Ist vorgesehen, noch 2025 Maßnahmen zu ergreifen, die dem seit Jahren zu beobachtenden Verfall des Gebäudes Einhalt gebieten könnten?
  2. Gibt es eine (Vor)Entscheidung über Erhalt oder  Abriss des Gebäudes?
  3. Welche (im Prinzip ja verlorenen) Kosten verursachen die aktuell notwendigen Sicherungsmaßnahmen für das Areal, insbesondere das Gebäude – pro Monat, pro Jahr?
    – Wer hat diese Kosten zu tragen?

Begründung:

Das Kast & Schlecht-Areal hat im Weststadt-Rahmenplan, der bereits 2018 vom Gemeinderat verabschiedet wurde, eine hohe Bedeutung. Das gilt vor allem für seine potentielle künftige Nutzung für eine Wohnbebauung, zumal sich viele andere in der Weststadt vorgesehene Maßnahmen auch massiv verzögert haben. Die Stimmung der Weststädter:innen verschlechtert sich von Jahr zu Jahr angesichts des langen Stillstands.

Von daher ist es wichtig, Klarheit über die Perspektiven mindestens für diesen Bereich zu schaffen.

 Für die SPD-Fraktion: Ingeborg Höhne-Mack

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AKTUELLES MITTWOCHSPALTEN

QUO VADIS TÜBINGER SCHULEN?

In fünf Tagen beginnt das neue Schuljahr. Mit ihm kommen die ersten G9-Fünftklässlerinnen an die Tübinger Gymnasien. Die direkten Auswirkungen dieser Reform sind für Eltern und Kinder sofort spürbar. Als Mutter einer angehenden Fünftklässlerin bin ich selbst unmittelbar betroffen. Aber was bedeutet die Rückkehr zu G9 für die Stadt? Es braucht mehr Platz an den Schulen. Brisant wird das Platzproblem, wenn die jetzigen Fünftklässlerinnen, anstatt nach 8 Jahren Abitur zu machen, noch ein weiteres Jahr an der Schule bleiben. Nach jetziger Prognose fehlen dann Räume für 28 Klassen! Das betrifft alle Tübinger Gymnasien. Der Bau einer neuen Schule ist zeitlich nicht zu schaffen – ganz abgesehen von den finanziellen Herausforderungen, die schon jetzt auf die Stadt zukommen. Bleibt also die Erweiterung der bestehenden Schulen.
Die Ideen reichen von der Unterbringung der Klassen des Carlo-Schmid-Gymnasiums in der Mörikeschule bis hin zu Außenklassen im Neubau der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule. Das
allein wird jedoch nicht genügen.

An den Tübinger Gemeinschaftsschulen erreichen die 5. Klassen nicht ihre Maximalauslastung, jedoch steigen die Schülerzahlen bis Klasse 9 stark an. Diese Schulform muss also schon beim Übergang von Klasse 4 zu 5 attraktiver werden – nicht nur als Alternative, wenn es auf dem Gymnasium nicht klappt. Allein kommunalpolitisch ist das kaum zu erreichen. Ein Umdenken
in der Landespolitik ist gefragt. Es ist Zeit, ein sozial gerechtes, inklusives, leistungsfähiges und individuell förderndes Schulwesen anstelle von ständig neuen Provisorien zu schaffen! Die SPD steht für das 2-Säulen-System: Aus der Zusammenführung von Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Gemeinschaftsschule soll eine neue Sekundarschule neben
dem Gymnasium entstehen. Zwei gleichwertige Schularten, die den Weg zum individuell passenden Schulabschluss ermöglichen.


Als Gemeinschaftsschullehrerin weiß ich aus täglicher Erfahrung, wieviel Unterricht entfällt und wie hoch die Arbeitsbelastung ist, weil nicht genügend Personal eingestellt wird – und das obwohl unsere Schülerschaft so unterschiedliche Voraussetzungen und teils schwierigste Startbedingungen hat. Mit einer neuen, bedarfsgerecht ausgestatteten Sekundarschule gäbe es nicht nur ein attraktives Schulangebot, das allen Kindern und deren Bildungsbiographien gerecht wird, es wäre auch ein Teil der Lösung des Platzproblems.


Nathalie Denoix

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AKTUELLES ANTRÄGE

Betr: Vorlage Abschaffung der Ortsbeiräte

Die SPD-Fraktion stellt folgenden Antrag zur Ergänzung der Geschäftsordnung der Ortsbeiräte:  

§ 2 Aufgabenstellung, Zf. 4 neu:

Satz 1 wie bisher; neuer Satz 2: Ein TOP “ Einbringung/Diskussion aktueller Themen im räumlichen Geltungsbereich des Ortsbeirats“ wird Bestandteil jeder Sitzung des Ortbeirats. Diese Themen werden spätestens 3 Tage vor der Sitzung von Mitgliedern des Ortsbeirats bei dem Verwaltungslotsen/der Verwaltungslotsin angekündigt.

Die Verwaltung berichtet in der nächsten Sitzung von den weiteren Entwicklungen in der jeweiligen Angelegenheit.

Begründung: 

Die vorherige Ankündigung sichert eine zielführende Diskussion ab. Die Mitglieder des Ortsbeirates werden so noch mehr zu Multiplikator:innen innerhalb ihres jeweiligen Einzugsbereichs und die Kritik der Verwaltung am bisherigen Format wird aufgenommen. Durch die mittlerweile digitalisierte Form der Einladung ist es kein Problem, die Einladung durch kurzfristig hinzukommende TOPs zu ergänzen. Es liegt in der Hand der Verwaltung, eine zeitliche Begrenzung dieses/r TOPS zu erreichen, falls dies notwendig werden sollte.

Umgekehrt ist es durch diese Ergänzung der GO auch möglich, dass die Verwaltung selbst

absehbar strittige Themen frühzeitig auf die TO nimmt, um ein Meinungsbild von den Mitgliedern des Ortsbeirates einzuholen.

Wie in der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte deutlich geworden, gibt es für den Verwaltungsvorschlag zur Einrichtung von Stadtteilforen keine Unterstützung. Der hier vorgelegte Antrag will eine Brücke zwischen den Anliegen der Verwaltung und den Interessen der Ortsbeiratsmitglieder bauen.

 Für die SPD-Fraktion:  Ingeborg Höhne-Mack