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MITTWOCHSPALTEN

Gleiche Bildungschancen

MITTWOCHSPALTE VOM 27. JUNI 2007

Zwei bildungspolitische Themen bewegten in den letzten Wochen die Tübinger Gemüter, die Zukunft der Tübinger Hauptschulen und die Einrichtung eines bilingualen Zuges an der Hügelschule. Beide Male geht es um die Bildungs- und Berufschancen Tübinger Kinder. Und diese sind ein zentrales Anliegen der SPD-Fraktion. Nur noch 8% der Tübinger Viertklässler wechseln nach den Sommerferien in die Hauptschule über, daran ändern weder die hervorragende pädagogische Arbeit an den Hauptschulen noch Finanzspritzen oder eine fragwürdige weitere Auslese etwas. Entscheidend für die Schul“wahl“ ist, dass es für Hauptschüler/innen immer schwerer wird, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Hauptschule hat sich überlebt! Dies sehen nicht nur die oberschwäbischen, sondern auch die Tübinger Schulleiter/innen der Haupt- und Realschulen mehrheitlich so.
Aufgrund der geringen Anmeldezahlen an unseren Hauptschulen bietet es sich gerade in Tübingen an, die Einrichtung von Verbundschulen zu erproben, an denen Haupt- und Realschüler/innen gemeinsam unterrichtet werden. Die SPD-Fraktion unterstützt daher den entsprechenden Vorstoß der Stadtverwaltung gegenüber dem Kultusministerium. Sollte sich die Landesregierung jedoch aus ideologischen Gründen auch gegen einen entsprechenden Modellversuch stellen, sollten zumindest alle möglichen Formen der Kooperation zwischen beiden Schularten genutzt werden. Für die bestmögliche individuelle Förderung muss wenigstens der Klassenteiler auf 28, bei jahrgangsübergreifenden Klassen auf 24 Kinder gesenkt werden.
Jugendliche mit Migrationshintergrund verlassen die Schule oft mit einem Hauptschulabschluss ohne Englisch. Auch in diesem Lichte sollte man den geplanten bilingualen Zug an der Hügelschule sehen, den dort Eltern, darunter sehr viele mit Zuwanderungsgeschichte initiiert haben. Familien, in denen mehrere Sprachen Alltag sind, wissen längst, was inzwischen wissenschaftlich gesichert ist: Kinder erlernen eine Fremdsprache spielerisch, wenn sie ihr ständig in motivierenden Situationen ausgesetzt sind. Wenn kein Kind Englisch kann, muss die Wissensvermittlung automatisch anschaulicher sein. Die für den Englischunterricht vorgesehenen Stunden werden dem Deutschunterricht zugeschlagen, so können die Deutschkenntnisse aller Kinder gefestigt werden. Mehrjährige Erfahrungen an der „Schule an der Gartenstadt“ in Hamburg, einer Schule mit einem sehr hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund haben bestätigt, dass gerade diese Kinder vom bilingualen Unterricht profitieren können. Wichtig ist nur, dass die zuvor gelernte Sprache altersgemäß entwickelt ist; dies ist bei den allermeisten SchülerInnen der Hügelschule der Fall. Wichtig ist auch das Engagement ihrer Eltern, und das ist an der Hügelschule unabhängig von der Herkunft sehr groß.
Die SPD begrüßt daher den Schulversuch an der Hügelschule. Für die Zukunft ist uns wichtig, dass der bilinguale Unterricht nach der Grundschule weitergeht, nicht nur im Gymnasium, sondern auch im bilingualen Zug einer Haupt-, einer Realschule oder noch besser einer unserer dann realisierten Verbundschulen.
Für die Schüler/innen dieser Schulen gilt dann nach Friedrich Rückert: “Mit jeder Sprache, die du erlernst, befreist du einen bis daher in dir gebundenen Geist.”

Andrea Le Lan

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AKTUELLES

Offener Brief an Boris Palmer

Herrn Oberbürgermeister Boris Palmer
z.K. Herrn Ersten Bürgermeister Michael Lucke, Frau Baubürgermeisterin Schreiber, Frau Renate Bebermeyer (SV03 Tübingen), Herrn Hans-Peter Krafft (TSG Tübingen), Schwäbisches Tagblatt, Reutlinger Generalanzeiger

Zum Antrag der SPD-Fraktion zum Thema demographischer Wandel
und zum Bebauungsplan Weilheimer Wiesen und Beteiligung der Sportvereine

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Palmer,

zunächst kann ich Ihnen mitteilen, dass die SPD-Gemeinderatsfraktion dem von Ihnen in der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses gemachten Verfahrensvorschlag zur weiteren Behandlung unseres Antrags „Tübingen auf den demographischen Wandel vorbereiten“ zustimmt. Wir sind – wie bereits von mir im Ausschuss mündlich ausgeführt – an einem handlungsorientierten Vorgehen interessiert, nicht an seitenlangen Analysen. Wir werden aber im weiteren Verfahren darauf achten, dass die von uns angestrebte umfangreiche Bürgerbeteiligung sichergestellt wird und das Thema nicht an den Rand gedrückt wird.

Ich will mit diesem Brief allerdings auch noch einmal mein Befremden darüber zum Ausdruck bringen, wie Sie den Vertagungsanträgen meiner Fraktion beim Thema Bebauungsplan Weilheimer Wiesen in der letzten Gemeinderatssitzung entgegengetreten sind.

Die Tatsache, dass es gegen den ausdrücklichen Willen der Mitglieder des Planungsausschusses im Vorfeld der Gemeinderatssitzung keine Gespräche mit den Vertretern der beiden betroffenen Sportvereine gegeben hat, ist von der Verwaltung zu verantworten. Ich hätte deshalb von Ihnen erwartet, dass Sie für dieses Versäumnis die politische Verantwortung übernommen, die entsprechenden Beschlusspunkte selbst abgesetzt und die zugesagten Gespräche nachgeholt hätten. Stattdessen haben Sie Mutmaßungen über die Ansichten der Sportvereine angestellt, und die Anhörung der Vereine als im Grunde überflüssig erachtet, weil den vermuteten Wünschen und Begehren ohnehin ein Erfolg nicht beschieden sein könne. Dies widerspricht den bewährten demokratischen Verfahren einer vorurteilsfreien Entscheidungsfindung.

Ihr Vorgehen verwundert mich und meine Fraktion auch deshalb sehr, weil Ihnen bei anderen Fragen (Golfplatz Kressbach, Bebauungsplan Jesinger Loch) jede Zeitverschiebung unproblematisch erscheint, Sie aber bei der Umgestaltung des Festplatzes glauben keine Zeit verlieren zu dürfen. Es verfestigt sich der Eindruck, dass Sie allein entscheiden wollen, wann Bürgerbeteiligung sinnvoll ist und wann nicht.

Ohne Zweifel ist die von der Verwaltung beantragte Erstellung der Parkplätze als Ersatz für die durch den Ausbau zur B28a weggefallenen Parkplätze (Beschlussantrag 1) baurechtlich erforderlich. Hier hatten Sie auch die Unterstützung unserer Fraktion. Warum aber die Neuordnung bzw. die Verlagerung des Festplatzes von Ihnen mit einer solchen Eile betrieben wird, kann ich mir nur mit Ihrer durchaus voreiligen Zusage bei der Eröffnung der diesjährigen fdf erklären.

Die auch in der Verwaltungsvorlage ausführlich dargestellten Lärmuntersuchungen zeigen eindeutig, dass eine Nutzungserweiterung des Festplatzes beispielsweise für größere Musikveranstaltungen, wie das Afrobrasil, auch bei einer Verschiebung nach Westen nicht möglich sein wird. Einziger Vorteil dieser Maßnahme wäre somit eine bessere Verkehrsführung. Dabei sollten Sie bedenken, dass damit die bei einer Verlagerung des Festplatzes erforderlichen Mehrausgaben von rund einer Million Euro nur schwer erklärt werden können. Ähnliches gilt für den ökologischen Aspekt des zusätzlichen Flächenverbrauchs. Ich spreche diesen Punkt auch deshalb an, weil ich weiß, dass an vielen anderen Stellen unserer Stadt erhebliche und dringende Investitionen in die öffentliche Infrastruktur erforderlich sind (z.B. Sportplätze und Sporthallen, Schulen und Kitas) und wir wissen (sollten), dass das Geld nicht vom Himmel fällt.

Nachdem die Gemeinderatsmehrheit die Vertagung abgelehnt hat, möchte ich Sie nachdrücklich bitten, die betroffenen Sportvereine wenigstens im weiteren Verfahren intensiv zu beteiligen. Dabei geht es uns nicht nur um die Frage der Parkraumbewirtschaftung. Weitaus wichtiger ist der Aspekt der Erweiterungsflächen für die Sportvereine. Ganz konkret geht es für die TSG vor allem um die Bereitstellung von Flächen in Richtung Weilheimer Wiesen, die in Absprache mit dem HC Tübingen einer gemeinsamen Nutzung zugeführt werden sollen. Eine diesbezügliche Übereinkunft mit der Verwaltungsspitze besteht meines Wissens bereits seit dem Jahr 2002 und war Voraussetzung für die Zustimmung der TSG Tübingen zur Überlassung des Bauplatzes für die Sporthalle an der Europastraße. Zu diesem Zeitpunkt konnte bekanntlich von einem Bebauungsplan für die Weilheimer Wiesen noch nicht die Rede sein. Es musste somit bei einer recht unverbindlichen Beteiligungszusage am Planungsverfahren bleiben. Ich bitte Sie daher, diesen Zusammenhang nun zumindest bei den weiteren Planungsschritten zu beachten.
Da Sie als Oberbürgermeister nicht nur ein schönes Amt, sondern auch eine große Verantwortung übernommen haben, können Sie sich auch nicht darauf berufen, Sie hätten mit den Zusagen, die vor Ihrer Zeit getroffen wurden, nichts zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Rosemann
Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion

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AKTUELLES

SPD Reutlingen und Tübingen für die konsequente Fortsetzung der Technologieförderung

In einer gemeinsamen Sitzung der SPD-Gemeinderatsfraktionen der Nachbarstädte Reutlingen und Tübingen wurde eine engere Zusammenarbeit vereinbart.

Der Ort des Treffens der SPD-Fraktionen von Reutlingen und Tübingen war Programm: Im Reutlinger Gebäude des Technologieparks ging es um die Chancen für Ideen, Unternehmensgründungen und Arbeitsplätze in den Städte durch die gemeinsame Technologieförderung.

Thomas Dephoff, Geschäftsführer des Technologieparks, wies auf die Erfolge der Technologieförderung in den beiden Städten des Oberzentrums hin. In drei Jahren seien 100 Millionen Euro Venture-Capital-Mittel von den Unternehmen des Technologieparks eingeworben worden. An beiden Standorten arbeiteten mittlerweile 260 Menschen. Das Reutlinger Gebäude sei nahezu voll, im Tübinger seien sämtliche Büroflächen belegt, weshalb an beiden Standorten ein spürbarer Bedarf für zusätzliche Flächen besteht. Dephoff verwies auf die guten Bedingungen, die der Standort für wissenschaftsnahe Arbeitsplätze biete. Nicht umsonst habe sich die L-Bank für Reutlingen/Tübingen entschieden. Technologieförderung brauche einen langen Atem. Wichtig für den Erfolg seien die nächsten drei bis vier Jahre. Dabei sei es weniger wichtig, ob die Flächen immer ausgelastet seien, entscheidend seien vielmehr die Perspektiven und die seien mit Blick auf die einzelnen Unternehmen exzellent. „In einem jungen Wirtschaftszweig, vor allem in technologieorientierten Unternehmen, gibt es Aufs und Ab und nicht immer stetiges Wachstum“. Insgesamt werde sich die Situation seiner Meinung nach in ein stabiles Wachstum entwickeln.

Der Reutlinger SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein nannte die Technologieförderung in der Region und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten vorbildlich. „Die mutige Entscheidung für den Technologiepark hat dazu geführt, dass wir zahlreiche zukunftsfähige Arbeitsplätze im Oberzentrum schaffen und halten konnten, die sonst für den Standort verloren gegangen wären“, so Treutlein. „Nach wie vor haben technologieorientierte Unternehmen in der Region gute Perspektiven. Die Entscheidung für den Technologiepark war eine Investition in die Zukunft. Ausgründungen aus der Universität finden ideale Bedingungen. Das Umfeld stimmt!“, ergänzte der Tübinger SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Rosemann. Allerdings müssten die Chancen auch entschlossen genutzt werden und die Bedingungen gemeinsam weiter verbessert werden. Deshalb forderten die beiden SPD-Gemeinderatsfraktionen eine größere Identifikation von Seiten der Kommunalpolitik in beiden Städten mit dem Technologiepark und eine offene Diskussion über die Strategien der Technologieförderung in den nächsten Jahren. Rosemann bedauerte, dass der Tübinger Oberbürgermeister Palmer die strategische Bedeutung der Technologieförderung gerade für die Stadt Tübingen nicht begriffen habe.

Beide Fraktionen vereinbarten eine engere Kooperation. Die Beispiele Technologieförderung und Regionalstadtbahn zeigten, dass die Region mit einem engen Schulterschluss zwischen Reutlingen und Tübingen gewinnt.

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ANTRÄGE

Entwicklung der Hauptschulen in Tübingen

ANTRAG DER SPD-FRAKTION VOM 22.05.2007

Der Beschlussantrag in Vorlage 117/2007 wird um folgende Punkte ergänzt:

1. Die Stadtverwaltung führt Gespräche mit den Haupt- und Realschulen über die Wünsche und Möglichkeiten zur Kooperation. Sie berichtet dem Gemeinderat laufend über die Ergebnisse dieser Gespräche. Ein zusammenfassender Bericht, der Entwicklungsperspektiven für die Schuljahre 2008/2009 und 2009/2010 aufzeigt, sollte im Frühjahr 2008 vorgelegt werden.

2. Die Verwaltung erarbeitet gemeinsam mit der Schulleitung, dem Lehrerkollegium, der Elternschaft und den SchülerInnen der Dorfackerschule ein Szenario (ggf. mehrere alternative Szenarien) zur Überführung der Dorfackerschule in eine reine Grundschule. Die Übergangsplanungen sollen insbesondere den Interessen der Hauptschülerinnen und Hauptschüler an der Dorfackerschule Rechnung tragen.

3. Die Zahl der HauptschülerInnen ist in Tübingen so niedrig wie kaum sonst im Land. Das bedeutet, dass diese Wenigen zumindest in den Klassenstufen 5 bis 7 einen besonderen Förderbedarf haben. Deshalb setzt sich die Verwaltung beim Land dafür ein, dass der Klassenteiler wenigstens in diesen drei Stufen auf 28, bzw. bei jahrgangsübergreifenden Klassen auf 24, gesenkt wird.

4. Die Verwaltung berichtet
a) über die Zahl der HauptschülerInnen in Tübingen, die im Rahmen der multilateralen Versetzungsordnung in den letzten beiden Schuljahren 2004/05 und 2005/06 an die Realschulen wechselten
b) über die Zahl der RealschülerInnen, die im gleichen Zeitraum von der Realschule an die Hauptschule wechselten – und in welchen Klassenstufen dies erfolgte
c) über den Verbleib von RealschülerInnen, die nach Klasse 8 oder 9 die Realschule verlassen müssen.
d) über die Zahl der HauptschülerInnen, die nach erfolgreichem Abschluss die zweijährigen Berufsfachschulen besuchen um dort den Realschulabschluss nachzuholen.
e) über die Zahl der Hauptschüler und Hauptschülerinnen, die nach erfolgreichem Abschluss in eine duale Ausbildung wechselten – wie viele davon mit Migrationshintergrund – und welche Berufe dies sind.
f) über die Zahl der Kinder in den jeweiligen Klassenstufen der Tübinger Hauptschulen mit Migrationshintergrund ( zu Hause wird nicht deutsch gesprochen).

Für die SPD-Fraktion

Dr. Martin Rosemann

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MITTWOCHSPALTEN

111 Tage Boris Palmer

MITTWOCHSPALTE VOM 2. MAI 2007

111

Und die SPD, sagt die nichts zu den berühmten 100 Tagen? Aber ja doch, inzwischen sind es übrigens 111 (bei binärer Interpretation so viele, wie Gott brauchte, die Welt zu erschaffen). An Taten können wir ihn noch nicht messen. Aber Stil und Stimmung sind neu und irgendwie voll zeitgemäß: Viel RTL, wenig ARD, Null ARTE. Der Oberbürgermeister, da kommt er, das bunte Massenblatt großzügig gefaltet unter dem Arm. Tübingen ist in der Normalität angekommen. Wir reiben uns verwundert die Augen. Beispiele für den Klimawandel? Der Herr Oberbürgermeister beschenkt das Stadtmuseum mit einem seiner Fernostwahlkampfhybridbilligfahrräder („Ich habe schließlich die Wahl gewonnen.“). Wir stellen uns für einen Moment vor, die Amtsvorgängerin hätte dem Museum einen ihrer Schals vermacht. – Mindestens 30 Leserbriefe. Der Herr Oberbürgermeister holt sich einen Parteifreund als persönlichen Referenten ins Rathaus. Nix dagegen. Aber wir stellen uns vor, die Amtsvorgängerin hätte hätte dergleichen vorgehabt. Nein, wir fragen nicht, was in Tübingen los gewesen wäre.

Jetzt ist also alles im grünen Bereich. Heiße Luft statt Zeozwei. Über allen Gipfeln ist Ruh, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Unser liebes Tagblatt ist begeistert und gibt sich den Wonnen der Gewöhnlichkeit hin – man wünscht sich dann doch zuweilen Lokalmephisto Christoph Müller zurück. Brenner frisst Palmer, Palmer frisst Brenner aus der Hand, Ruhe auch an dieser Front. Ja was wollen wir mehr. In unserer Stadt herrscht Frieden, Frieden herrscht in unserer Stadt. Und Freude. Und ein bisschen Eierkuchen. Wer wird etwas dagegen haben. – „Sie möchten kein Konzert am Güterbahnhof? Aber bitte, dann lassen wir das.“ Konflikte? Nein, Konflikte schaffen wir ab. – Seid einig, einig, einig!

Und auch sonst wird alles gut. Der Übermut der Ämter, deren Rat ernst zu nehmen, im Wahlkampf offenbar nur zum Spaß angekündigt wurde, er wird jetzt scharf gezügelt. Demnächst drehen sich die Baukräne am Europaplatz, an der Blauen Brücke, am Pfleghof, die Mühlstraße wird enorm verbreitert, endlich wird es ein durchschlagendes Stadtmarketing geben, endlich werden die Hauptschulen aufgelöst, endlich kriegt auch die CDU einen schönen Posten. Er selbst hat es gesagt. – Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! Und das waren nur die ersten 111 Tage!

Vielleicht gilt jetzt für Tübingen, was Wenedikt Jerofejew über Petuschki sagt: „Petuschki – das ist ein Ort, wo die Vögel nicht aufhören zu singen, weder am Tag noch bei Nacht, wo sommers wie winters der Jasmin nicht verblüht. Die Erbsünde, wenn es sie gegeben hat, tangiert dort niemanden. Sogar die, die wochenlang nicht nüchtern werden, behalten dort ihren klaren, unergründlichen Blick“.

Klaus te Wildt

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ANTRÄGE

Neue Bestattungsformen

ANTRAG DER SPD-FRAKTION

1. Die Verwaltung prüft, ob und gegebenenfalls wo

a. ein muslimisches Gräberfeld
b. ein so genannter Friedwald
eingerichtet werden kann.

2. Die Verwaltung berichtet, welche Erfahrungen andere Städte mit den jeweiligen Einrichtungen gemacht haben.

Begründung:

Im Umgang mit dem Tod gibt es die verschiedensten Bedürfnisse. Es wäre wünschenswert die Möglichkeiten in Tübingen zu erweitern.

Für die SPD-Fraktion

Hannah Tiesler

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ANTRÄGE

Auslegung im Internet

ANTRAG DER SPD-FRAKTION

Die Stadt Tübingen stellt für die Zeit einer öffentlichen Auslegung sämtliche Unterlagen zusätzlich auf ihre Homepage.

Begründung:

Die öffentliche Auslegung dient der Beteiligung der Bürgerschaft. Diese Beteiligung wird wesentlich erleichtert, wenn die jeweiligen Unterlagen nicht nur bei der Stadt selbst, sondern auch im Internet eingesehen werden können. Insbesondere für Berufstätige bietet die städtische Homepage dann eine gute Möglichkeit sich auch außerhalb der Geschäftszeiten zu informieren.

Für die SPD-Fraktion

Hannah Tiesler

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ANTRÄGE

Tübingen mit dem Bus erkunden

ANTRAG DER SPD-FRAKTION

Zumindest im Bereich des Europaplatzes wird eine große Karte der Stadt aufgehängt, auf welcher die Sehenswürdigkeiten, die städtischen Gebäude, die Universitäts-, die Klinikumsgebäude u.ä. verzeichnet sind. In der dazugehörigen Legende werden dann jeweils die passenden Buslinien mit der jeweiligen Haltestelle aufgeführt.

Begründung:

Eine solche Karte hilft entscheidend bei der Orientierung.
Die Idee ist auch nicht neu. Der Verkehrsbeirat hat bereits darüber diskutiert. Man war sich im Grunde einig, dass es etwas Derartiges geben soll. Ein förmlicher Beschluss wurde jedoch nicht gefasst (Und es hängt auch noch keine Karte).

Für die SPD-Fraktion

Hannah Tiesler

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ANTRÄGE

Parkplätze für Besucher

ANTRAG DER SPD-FRAKTION

Die Stadt Tübingen gibt in Gebieten für Bewohnerparken Besucherparkkarten nach dem Heidelberger Modell aus.

Begründung:

Durch die Ausgabe der Besucherparkkarten wird die Stadt sowohl bewohner- als auch besucherfreundlicher.

Es ist gängige Praxis, dass in den Bewohnerparkzonen mehr Berechtigungen ausgestellt werden, als Parkplätze vorhanden sind. Durch die begrenzte Anzahl an Besucherparkkarten wird diese Situation kaum verschärft.
Durch die Besucherparkkarten wird das Bewohnerparken erweitert. Bewohner können ihrem Besuch so das Angebot des kostenfreien Parkens in Wohnungsnähe machen.

Heidelberger Modell:

Die Regelung sieht vor, dass jeder Bewohner (mit Haupt- oder Nebenwohnsitz) einer Parkzone sich im Bürgeramt einen Bogen zu 9 Tages- und 1 Wochenkarte abholen kann. In die Karten ist dann das Kennzeichen sowie der Tag einzutragen. Zusätzlich kann für 5 € noch maximal ein weiterer Bogen abgeholt werden. Bei der Abholung wird seitens des Bürgeramts eine Nr. eingetragen, welche erkennen lässt, wer die Karten abgeholt hat. Zudem wird die Zone eingetragen, für die das Parken gilt.

Für die SPD-Fraktion

Dr. Martin Rosemann

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ANTRÄGE

Tübingen auf den demografischen Wandel vorbereiten

ANTRAG DER SPD-FRAKTION

1. Die Verwaltung erarbeitet noch in diesem Jahr eine Analyse, die die Folgen des demographischen Wandels für die Universitätsstadt Tübingen und die einzelnen städtischen Politikbereiche beschreibt.

2. Die Verwaltung organisiert noch in diesem Jahr einen Workshop des Gemeinderats mit Verbänden, Vereinen und Initiativen, bei dem auf der Grundlage der vorgelegten Analyse die Handlungsfelder diskutiert und definiert sowie kommunale Handlungsstrategien entwickelt werden.
Die Konzeption des Workshops sowie die Zusammenstellung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden auf Basis der vorgenommenen Analyse mit dem Gemeinderat abgestimmt.

3. Die Verwaltung entwirft auf der Basis der Analyse und der Ergebnisse des Workshops einen Handlungs- und Planungsrahmen, der den städtischen Aufgabenkatalog auf die sich ändernde Altersstruktur abstimmt. Dieser wird dem Gemeinderat zu Beginn des Jahres 2008 zur Beschlussfassung vorgelegt.

Begründung:

Die Veränderungen der Altersstruktur der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten fordern insbesondere auch auf kommunaler Ebene die Entwicklung von Strategien heraus, die diesem demografischen Wandel gerecht werden.

Prognosen über den Umfang der demografischen Verschiebungen liegen vor. So errechnet die aktuelle Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamtes für Tübingen, dass bis zum Jahr 2025 die Zahl der unter 15-Jährigen von derzeit 10.700 auf 8.200 sinken wird (von 13% auf 10%), während die Zahl der über 65-Jährigen von 11.100 auf 16.100 steigen wird (von 13% auf 20%). Das Durchschnittsalter im Kreis Tübingen wird von 39,4 auf 45 Jahre steigen.

Die Entwicklung insgesamt wirkt sich tiefgreifend auf viele originär kommunalpolitische Aufgabenbereiche der Städte aus. Beispielhaft genannt seien die Kinderbetreuung und die schulische Infrastruktur, die soziale Infrastruktur mit Blick auf den steigenden Anteil älterer Menschen, Konzepte für das Zusammenleben der Generationen, Kultur- und Bildungsangebote, städtebauliche, womöglich flexible Konzepte, die Anforderungen der älteren Menschen besonders berücksichtigen. Dazu kommen, wieder nur beispielsweise, die zu erwartenden Veränderungen auf dem Wirtschafts- und Erwerbssektor.

Es handelt sich um ein sehr komplexes Thema. Die im Zusammenhang damit stehenden Fragen aufzuarbeiten, ist einmal mit Blick auf die zu erwartenden Anforderungen und Erwartungen der älter werden Bevölkerung geboten. Aber auch die vorausschauenden Planungen für Entwicklung und Positionierung der Stadt machen eine rechtzeitige und wohl fundierte Berücksichtigung der demographischen Entwicklung notwendig.

Für die SPD-Fraktion

Dr. Martin Rosemann, Klaus te Wildt