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AKTUELLES MITTWOCHSSPALTEN

Neue Wege in der Pflege

Neben vielen anderen Bereichen hat „Corona“ das Thema „Seniorenleben & Pflege“ stark in unseren Fokus gerückt. Wir mussten erkennen, dass wir in der Betreuung älterer und pflegebedürftiger Menschen rasch an Grenzen stoßen. Ohne engagierte und hochmotivierte Pflegekräfte wäre die schwierige Zeit des Lockdowns in unseren Pflegeeinrichtungen nicht zu bewältigen gewesen. Dafür bedankt sich die SPD-Fraktion bei allen Pfleger*innen ganz herzlich. Beifall dafür ist schön, wir brauchen aber eine tatsächliche Aufwertung aller Pflegeberufe. Wer eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe in der Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen übernimmt, braucht gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung. Wir wollen die Aufwertung sozialer Berufe auch auf kommunaler Ebene weiter vorantreiben.

Die Tübinger Pflegestrategie wurde mit den Stimmen der SPD-Fraktion auf den Weg gebracht. Wir freuen uns, dass mit dem Haushaltsbeschluss 2019 die auch von uns geforderte Stelle für das Programm „Seniorenleben &Pflege“ geschaffen werden konnte. Dadurch wird es leichter, die beiden großen Handlungsfelder Dauerpflege und teilstationäre/ambulante Pflege in den Quartieren der Kernstadt und in den Teilorten zu bearbeiten. Die Zahlen sprechen für sich: Nach dem „Kreisplan für Senior*innen“ wird für die Stadt im Jahr 2030 ein Bedarf von 752 Dauer-Pflegeplätzen erwartet. Um den Bedarf weitgehend zu decken, müssen deshalb bis 2030 rd. 160 weitere Plätze für Dauerpflege geschaffen werden.

In den Teilorten unterstützt die SPD neue, innovative Lösungen für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Ortschaften. Bei einer Kombination aus Tagespflege und ambulant betreuten Wohngemeinschaften sehen wir den großen Vorteil, ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Lebensumfeld zu belassen und darüber hinaus pflegende Angehörige zu entlasten. Wirklich neu in diesem Bereich ist die aktive und enge Einbindung von bürgerschaftlichem Engagement. So haben sich zu diesem Zweck in den vergangenen Wochen etwa in den Teilorten Weilheim, Kilchberg und Bühl Bürgervereine gegründet. Ihr Ziel ist Aufbau und Begleitung von selbstverantworteten Wohngemeinschaften. Dieses ehrenamtliche und soziale Engagement braucht unsere Unterstützung und in der schwierigen Startphase ggf. auch die finanzielle Rückendeckung durch die Stadt.

Gerhard Neth

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AKTUELLES

Klimaschutz vor der eigenen Haustüre

Im letzten Jahr haben uns viele Themen beschäftigt. Zum Start des neuen Jahres haben wir uns sechs davon herausgesucht. In unserer Beitragsreihe werfen wir einen Blick zurück auf die Fortschritte des letzten Jahres und nach vorne auf das, was es noch anzupacken gilt.

Den Start macht heute unser Gemeinderat und hauptberuflicher Forstrevierleiter Gerhard Neth:


Auch wenn es noch Menschen gibt, die es nicht wahrhaben wollen: Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, der wir uns aktuell auf allen politischen Ebenen stellen müssen. Den ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Folgen, die ein fortschreitender Klimawandel mit sich bringt, müssen wir entschieden entgegentreten. Deswegen tragen wir den Beschluss des Gemeinderats, das Leben in Tübingen bis 2030 klimaneutral zu gestalten, als SPD-Fraktion aus Überzeugung mit. Um dem Klimawandel zu begegnen brauchen wir neben einer deutlichen Reduktion bei der Nutzung fossiler Energieträger eine Stadtentwicklung, die auf Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und präventive Maßnahmen ausgerichtet ist.

Für den Klimaschutz „vor der eigenen Haustüre“ möchte ich dazu zwei Schwerpunkte der SPD-Fraktion herausgreifen. Im SPD-Workshop „Wie wollen wir in Zukunft wohnen?“ beschäftigten wir uns intensiv mit der Frage, wie bezahlbares und solidarisches Wohnen in Tübingen gestaltet werden kann. Deutlich wurde, dass gerade gemeinschaftliche Wohnformen neben ihren sozialen Vorteilen auch zu geringerem Flächenverbrauch beitragen können. Parallel dazu ist zu klären, wie künftig klimaneutral(er) gebaut und gewohnt werden kann.  Bei allen Bauvorhaben in der Stadt und den geplanten Neubaugebieten müssen die knapper werdenden Ressourcen effizient und nachhaltig eingesetzt werden. Ein wichtiger Baustein in dieser Forderung ist das von der SPD-Fraktion schon vor drei Jahren aufgegriffene Thema „Bauen mit Holz“. 

Wir freuen uns, dass unsere Initiative „Bauen mit Holz“ im Programm für eine klimaneutrale Stadt mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert erreicht hat. Und wir sehen, dass bei kommunalen Bauprojekten – auch unter Regie der GWG – Holz als CO²-freundlicher, regional vorhandener und ökologischer Baustoff künftig tatsächlich eine „tragende Rolle“ einnehmen wird.

Bei unserem Einsatz für den klimafreundlichen Baustoff Holz haben wir die Frage im Blick, wie und unter welchen Bedingungen das eingesetzte Holz „produziert“ wird. Unsere heimischen Wälder sind ein wichtiger Faktor im kommunalen Klimaschutz, fast 50% der Gemarkung Tübingen sind mit Wald bewachsen. Mit verschiedenen Anträgen haben wir uns dafür eingesetzt, dass in unserem Stadtwald ein guter Ausgleich zwischen den verschiedenen Zielsetzungen der Waldbewirtschaftung erfolgen kann. Die Tübingen Wälder sollen weiter nach den hohen FSC-Standards nachhaltig und naturnah bewirtschaftet werden. Zur langfristigen Sicherung der Artenvielfalt und Biodiversität haben wir uns dafür eingesetzt, dass im Stadtwald weitere Flächen einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden können.

Wir sehen aber auch, dass Holznutzung in unseren heimischen Wäldern zunehmend kritisch betrachtet wird. Durch eine Einbindung des Stadtwaldes in die „Klimaschutzoffensive der Stadt Tübingen“, verbunden mit entsprechenden Informationskampagnen, möchten wir dafür sorgen, dass sich die Akzeptanz für Waldbewirtschaftung und Holznutzung in der Stadtgesellschaft wieder deutlich erhöht. 

Im neu gegründeten Ausschuss zur Fortschreibung des Klimaschutzprogramms haben wir deshalb beantragt, dass die Bruttoeinnahmen aus dem Holzverkauf – der „nachhaltigen Urproduktion“- der Stadt Tübingen, künftig einer zweckgebundenen Rücklage „Waldwirtschaft für Klimaschutz“ zugeführt werden. Aus dieser Rücklage sollen dann ausschließlich städtische Projekte finanziert werden, die das Klimaschutzprogramm „Tübingen klimaneutral bis 2030“ unterstützen und voranbringen.

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ANTRÄGE

Waldwirtschaft für Klimaschutz

Antrag der SPD-Fraktion vom 9. Juli 2019

Die SPD-Fraktion stellt den Antrag mit folgenden Zielsetzungen:

1. Einrichtung einer zweckgebundenen Rücklage „Waldwirtschaft für Klimaschutz“
2. Darstellung der Klimaschutzleistungen des Stadtwaldes im Klimaschutzbericht

Zu 1.
Die Bruttoeinnahmen aus dem Holzverkauf der Stadt Tübingen werden einer zweckgebundenen Rücklage „Waldwirtschaft für Klimaschutz“ zugeführt. Aus der Rücklage werden ausschließlich städtische Projekte finanziert, die das Klimaschutzprogramm „Tübingen klimaneutral bis 2030“ unterstützen und voran bringen.

Zu 2.
Wald, Holznutzung und Holzverwendung leisten durch CO²-Speicherung und -minderung einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz der Stadt Tübingen. Im Rahmen des Klimaschutzberichts der Stadt sind diese Leistungen des Waldes gesondert darzustellen und zu bewerten.

Begründung:
Die Stadt Tübingen ist Eigentümerin von rd. 1900 ha Wald. Der Stadtwald Tübingen wird nach naturnahen Grundsätzen bewirtschaftet und ist nach den international anerkannten FSC-Standards zertifiziert.
Wälder sind ein wichtiger Faktor im Klimaschutz. Nachhaltige Waldbewirtschaftung mit sorgsamer Holznutzung entlastet die Atmosphäre in Deutschland um jährlich 127 Mio Tonnen CO². Der Stadtwald trägt daher wesentlich zum Klimaschutz in unserer Stadt bei.
Nach der aktuellen Forsteinrichtung sollen im Stadtwald im Rahmen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung jährlich rd. 11.000 m³ Holz eingeschlagen werden. Das eingeschlagene Holz wird überwiegend in den regionalen, holzverarbeitenden Betrieben verwertet. Hochwertige Laubhölzer finden darüber hinaus auch überregionalen Absatz.
Die Erlöse aus dem Holzverkauf liegen bei jährlich rd. 500.000 €. Es sind die einzigen Einnahmen der Stadt im Rahmen einer „nachhaltigen Urproduktion“ von Naturgütern. Die Zeiten, in denen der Wald als „Sparkasse“ für städtische Bauprojekte genutzt werden konnte, sind in der Stadt Tübingen längst passé. Naturnahe Waldbewirtschaftung und pflegliche Holznutzung werden in Zukunft eine weit wichtigere Rolle im regionalen Klimaschutz einnehmen. Es erscheint daher konsequent, Einnahmen aus diesem Bereich wieder direkt in Maßnahmen zu investieren, die dem Ziel „Tübingen klimaneutral bis 2030“ dienen.
Holznutzung in unseren heimischen Wäldern wird zunehmend kritisch betrachtet. Durch eine Einbindung des Stadtwaldes in die „Klimaschutzoffensive der Stadt Tübingen“, verbunden mit entsprechenden Informationskampagnen ist davon auszugehen, dass sich die Akzeptanz für Waldbewirtschaftung und Holznutzung in der Stadtgesellschaft wieder deutlich erhöht. Dazu bedarf es auch einer Darstellung der Klimaschutzleistungen des Waldes im Klimaschutzbericht der Stadt.

Für die SPD-Fraktion
Gerhard Neth