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AKTUELLES MITTWOCHSPALTEN

Mittwochspalte: eine langfristige Perspektive für das Bauen

Ja, es wird wieder mehr (und Zukunftsweisendes) gebaut, aber… es kommt bei der Beurteilung der aktuellen städtischen Bauvorhaben auch auf deren Einordnung in der Langfristperspektive an. – Wann hätten die neuen Baugebiete in den Teilorten denn eigentlich begonnen bzw. vor allem fertiggestellt sein sollen? Strütle/Weiher in Pfrondorf z.B.: ursprünglicher Baubeginn 2021, aktuell geplanter Baubeginn = 2027/28.  Oder: vom 2018 verabschiedeten Rahmenplan für die Weststadt ist noch kein Wohnungsbauvorhaben umgesetzt worden, auf WHO wird es ähnlich lange dauern. Bei all diesen Vorhaben geht es ja mit  – und besonders dringend – um barrierefreien Wohnraum für Alte und Pflegebedürftige, der immer noch nicht zur Verfügung steht; das konterkariert leider auch wesentliche Teile der Pflegestrategie der Stadt.

Gleichzeitig verschärft sich die Wohnungsnot in Tübingen in neue Extreme – der Tagblattartikel letzte Woche wirft dabei ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation der Familien. Konsequenz insgesamt: die Menschen, die Tübingen am Laufen halten: die Arzthelferin, der Handwerksgeselle, die Schulsekretärin und viele andere mit kleineren Einkommen haben ebenso wie junge Wissenschaftler:innen keine Chance mehr auf bezahlbaren und angemessenen Wohnraum in der Stadt und vergrößern den Strom der Pendler aus dem Umland oder wandern ab. So schafft sich Tübingen sein eigenes Fachkräftemangelproblem! 

Hinzu kommt das Missverhältnis zwischen einem erheblichen Wachstum an Arbeitsplätzen in den letzten Jahren gegenüber einem geringeren Zuwachs an Wohnraum. Nach Ansicht der SPD-Fraktion gerät mittlerweile aber auch die Nachverdichtungsstrategie an ihr Ende, u.a., weil hier von Privaten immer mehr Wohnraum möbliert vermietet und damit den Beschränkungen von Mietpreisen und -steigerungen entzogen wird. Und es muss berücksichtigt werden, dass die aufgrund des Klimawandels notwendigen Anpassungsstrategien ausreichende Freiflächen auch im Stadtgebiet selbst erfordern.

Die von der SPD schon lange geforderte Bebauung des Saiben muss deswegen endlich!! angegangen werden – als Chance für ein ökologisches und soziales Tübinger Modellquartier, in dem Stadtplanung und gemeinwohlorientierte Unternehmen gemeinsam bezahlbaren Wohnraum und eine inklusive Nachbarschaft schaffen können statt letztlich dazu beizutragen, dass im Umland fortwährend enorme Flächen mit Einfamilienhäusern versiegelt werden. 

Ingeborg Höhne-Mack