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MITTWOCHSSPALTEN

Ein Blick zurück

MITTWOCHSPALTE DER SPD-FRAKTION VOM 5. DEZEMBER 2012

Advent – die Stadt leuchtet weihnachtlich, wir freuen uns auf den Weihnachtsmarkt, der bei uns besonders schön gestaltet wird. Die Zeit auch, in der die Kassen des Tübinger Handels klingeln; das kommt ganzen Stadt zugute. Advent ist aber vor allem die Zeit, in der wir uns auf Weihnachten vorbereiten. Es ist eine Zeit, in der wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und einen Blick zurück werfen können.
Das gilt auch für den Gemeinderat. Er befasst sich derzeit viel mit der Vergangenheit. Sie wirkt in unsere Gegenwart und bestimmt die kulturelle Identität der Stadt. Es gibt in Tübingen viele, die sich für die Geschichte unserer Stadt interessieren und die sich für ein zeitgemäßes Erinnern engagieren. Unsere Stadt hat ein reiches historisches Erbe, das wir vor allem der Universität verdanken. Das ist die Basis für die gemeinsame Bewerbung mit der Universitätsstadt Marburg um die Anerkennung als Weltkulturerbe.
Tübingen hat aber auch eine dunkle Vergangenheit. Wie wir mit dieser Vergangenheit umgehen – darum ringen wir immer wieder. Für die SPD ist vor allem die Vermittlung des Wissens über den Nationalsozialismus und seiner Verbrechen an die  junge Generation wichtig. Zeitzeugen gibt es immer weniger. Deshalb haben wir große Sympathien für die Idee, im Güterbahnhof gemeinsam mit einem zeitgemäßen Stadtarchiv ein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus einzurichten. Dass der Beobachtungsstand erhalten bleibt, von dem aus russische Zwangsarbeiter bewacht wurden, dafür haben wir uns stark gemacht.

Gegenstand der aktuellen Diskussion ist auch die Liste der Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger. Wir haben uns dafür ausgesprochen, einen Forschungsauftrag zu vergeben, der die Biographie des ehemaligen Oberbürgermeisters Hans Gmelin aufarbeitet Die Biographien von Adolf Scheef und Theodor Haering sind gründlich erforscht. Die Beschlüsse, mit denen ihnen die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, werden nach dem Willen des Gemeinderats widerrufen.
Wir haben Verständnis für die Bewohnerinnen und Bewohner, die Personalausweis, Briefpapier und Visitenkarten ändern müssen, wenn die Scheefstraße umbenannt wird. Es geht nicht anders. Das hat überhaupt nichts mit Demonstration moralischer Überlegenheit zu tun. Wer die Gewaltherrschaft gefördert und gepriesen hat, gehört nicht aufs Straßenschild. Ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Zurück zur Gegenwart: Im Namen der SPD-Fraktion wünsche ich allen Tübingerinnen und Tübingern eine schöne Weihnachtszeit und ein Gutes Neues Jahr.

Dorothea Kliche-Behnke
SPD-Fraktion