Mitmenschlichkeit und Tatkraft

Mittwochspalte der SPD-Fraktion vom 23. September 2015

Die Not der Menschen, die derzeit zu uns kommen, bewegt uns alle. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Hoffnungslosigkeit. Das Erste und Wichtigste ist im Moment, Erstunterbringungen, ausreichende medizinische Versorgung und Verpflegung zur Verfügung zu stellen. Und weil wir es nicht mit einer nur vorübergehenden Aufgabe zu tun haben, müssen wir auf allen Ebenen neue Strukturen schaffen und uns auf Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge einstellen.
Wie viele Flüchtlinge zu uns kommen, hängt im Wesentlichen von Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können. Die Zahl der Vertriebenen wird so schnell nicht abnehmen, unser Land wird sich verändern. Langfristige Planung ist dabei kaum möglich.
Anfang des Jahres haben wir in Tübingen mit zahlreichen Akteuren das Bündnis für Respekt und Mitmenschlichkeit gegründet. Von vielen Seiten bin ich gebeten worden, angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen mitzuhelfen, das Bündnis wiederzubeleben. In unserem Kreis, in unserer Stadt darf kein Raum für Hass und Menschenfeindlichkeit sein.
Viele Menschen spenden Kleidung und auch Geld, sie engagieren sich hauptamtlich und ehrenamtlich für die Integration von Flüchtlingen, sie stellen Wohnraum zur Verfügung und beweisen tatkräftig, dass Tübingen offen, tolerant und mitmenschlich ist.
Die lokale Politik darf die Ehrenamtlichen, die Anbieter von Sprachkursen und die Institutionen wie das Asylzentrum oder Infö nicht allein lassen. Es bedarf rasch einer Besetzung von mindestens einer halben Stelle, die die Koordination der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit übernimmt. Wir wollen, dass gemeinsam mit geeigneten freien Trägern ein Angebot zu kostenlosen Sprachkursen für Flüchtlinge entwickelt wird. Und wir wollen freies WLAN in den Tübinger Erstunterkünften.
Wir müssen auch unsere Anstrengungen für einen sozial gestalteten Wohnungsmarkt verstärken. Was wir unbedingt vermeiden müssen, ist ein Konkurrenzkampf um günstigen Wohnraum unter den verschiedenen benachteiligten Personengruppen.
Eine Bürgerinformationsveranstaltung wird hilfreich sein. Die Tübingerinnen und Tübinger müssen die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und sich auch mit Sorgen und Kritik zu melden.
Der gute Wille ist da, gemeinsam schaffen wir das.

Dorothea Kliche-Behnke
SPD-Fraktion