Familienfreundliches Tübingen

MITTWOCHSPALTE VOM 16.04.2008

Tübingen ist eine familienfreundliche Stadt, davon zeugt nicht nur die 2007 geschaffene Servicestelle Familie oder das 2006 gebildete Lokale Bündnis für Familie, das im Mai 2007 bundesweit als Bündnis des Monats ausgezeichnet wurde. Dazu gehören auch die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendbetreuung und die Weiterentwicklung Tübingens zur altenfreundlichen Stadt.
In seiner letzten Sitzung hat der Tübinger Gemeinderat zwei weitere Mosaiksteine beschlossen.
Die von der SPD-Gemeinderatsfraktion beantragte Stelle für Schulsozialarbeit an der Walter Erbe Realschule wird eingebettet in ein Konzept, das Schulsozialarbeit an allen vier Schulzentren Tübingens im Team ermöglicht. So kommen die Schüler/innen aller Schularten, also auch an Grundschulen und Gymnasien in den Genuss der Schulsozialarbeit. Den größten Teil ihrer Zeit verbringen Kinder und Jugendliche nun mal in der Schule, Schulsozialpädagog/innen sind ihnen im Alltag vertraut, und es fällt leicht, sich an sie zu wenden. So kann Schulsozialarbeit Probleme früh erkennen und Hilfen anbieten. Eine Chance, die das Land Baden-Württemberg leider ignoriert, denn es hat sich vollständig aus der Finanzierung der Schulsozialarbeit herausgenommen.
Deshalb wird der Gemeinderat im Haushalt 2009 rund 45.000 Euro für die die neu geschaffenen Stellen an der Walter-Erbe-Realschule und der Albert-Schweizer-Realschule einstellen müssen – wenn sich der Landkreis nicht eines Besseren besinnt und sich doch an der Kofinanzierung dieses neuen Konzepts beteiligt.

Es gibt aber noch ein anderes großes Familienthema: Den demografischen Wandel. Auf Antrag der SPD-Fraktion erarbeitet die Verwaltung zurzeit ein Konzept, das Tübingen auf den zunehmenden Anteil älterer Menschen vorbereiten soll. In dieses Konzept passt hervorragend der Plan der Altenhilfe Tübingen, in Pfrondorf mit einem Projekt für betreutes Wohnen auch eine Hausgemeinschaft für pflegebedürftige Ältere einzurichten. 10-12 pflegebedürftige Ältere mit den verschiedensten Beeinträchtigungen werden dort zusammen wohnen. Zwei speziell ausgebildete Präsenzmitarbeiter/innen werden ihnen helfen, den Alltag zu bewältigen; gemeinsames Kochen und Essen, Erzählen, Besuch empfangen – kurz: alltagsnahe Beschäftigungen statt künstlicher Animation. In alltäglichen, familiären Strukturen werden die Bewohner/innen Wertschätzung erfahren, wird ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden. Angehörige sollen in die Tagesstruktur einbezogen werden, ein Gewinn für Familien, denen es aufgrund von Berufstätigkeit, räumlichen Bedingungen oder Pflegebedarf der älteren Familienangehörigen nicht vergönnt ist, in einer Mehrgenerationenfamilie zusammenzuleben.

Andrea Le Lan, SPD Gemeinderatsfraktion