Tübingen auf dem Weg nach Barcelona

MITTWOCHSPALTE VOM 16.DEZEMBER 2009

Auf dem Weg zur barrierefreien Stadt

Behinderung betrifft nach der Erklärung von Barcelona die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit und hängt sowohl von individuellen Begabungen als auch von umweltbedingten Einflüssen ab. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für die Städte und Gemeinden.
Am Montag hat der Tübinger Gemeinderat beschlossen, der Erklärung von Barcelona beizutreten. Der Beitritt geht auf eine Initiative der SPD-Fraktion zurück. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Abstimmung einstimmig ausfiel.
Über zwei Jahre hat eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung und von Interessensgruppen ein vorbildliches Handlungskonzept erarbeitet. Vielen Dank an alle Mitwirkenden! Jetzt gilt es, die Vorschläge in die Tat umzusetzen.
Es geht darum, dass alle Menschen selbstbestimmt leben, wohnen und sich in unserer Stadt fortbewegen können. Es geht also um die alte Dame, die darauf angewiesen ist, dass sich im Park ausreichend Sitzgelegenheiten befinden. Es geht um den Mann im Rollstuhl, der ohne Probleme mit dem Stadtbus zu seinem Verein kommt und am nächsten Austausch mit einer unserer Partnerstädte teilnehmen wird. Es geht um die Schwerhörige, die dank induktiver Höranlage an städtischen oder kulturellen Veranstaltungen teilnehmen kann. Es geht um die Mutter, die mit ihrem Kinderwagen einen Platz im Bus findet. Es geht um die Migrantin mit Sprachproblemen, die sich in den Ämtern der Stadt zurechtfindet. Es geht um den kleinen Jungen mit Trisomie 21, der denselben Kindergarten wie seine Freunde aus der Nachbarschaft besucht. Es geht um das Kind mit Lernschwierigkeiten, das die Regelschule besuchen kann. Und es geht um den Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung, der bei der Stadt eine Ausbildung absolviert und anschließend eine Beschäftigung erhält – z.B. auf einem neu geschaffenen Einfacharbeitsplatz.
Barrierefreiheit ist also mehr als Aufzüge und abgesenkte Bordsteine (obwohl diese für viele Menschen dringend notwendige Hilfen darstellen). Barrierefreiheit ist eine Querschnittsaufgabe, der sich die Stadt nun verschrieben hat. Wir werden darauf achten, dass sie nicht bloße Utopie bleibt, sondern nun Schritt für Schritt realisiert wird. Damit alle Tübingerinnen und Tübinger selbstbestimmt und gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben können.

Im Namen der SPD-Gemeinderatsfraktion wünsche ich Ihnen allen friedliche Weihnachten und einen gelungenen Start ins Jahr 2010!

Dorothea
Kliche-Behnke,
SPD-Stadträtin,