Keiner darf verloren gehen

MITTWOCHSPALTE VOM 11.06.2008

„Sozialdemokraten kommt es auf jede einzelne Person an.“ (Gesine Schwan) Für uns gilt das auch auf der kommunalen Ebene. Wir wollen, dass es den Menschen gut geht, dass alle in Würde und Selbstbestimmung teilhaben können an und in der Welt, in der sie leben.

Der Zehnjährige, dem schon nach dem vierten Schuljahr der weitere Bildungsweg diktiert wird, für ihn ist womöglich die Welt schon mit Brettern vernagelt. – Die Zuwanderin, vollauf beschäftigt mit ihren Kindern, geprägt von den Gebräuchen ihrer Heimat, befremdet von einer neuen Umgebung, sie kann sich weder mit Nachbarn noch mit Behörden richtig verständigen. – Menschen mit Behinderungen, die im erlebten Alltag praktisch ausgeschlossen sind: Ein Aufzug fehlt, Rollstuhlfahrer werden zur Rampe am Hintereingang dirigiert. Menschen, denen es schwer gemacht wird, einen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden.

Ja, der Ausbau der Kinderbetreuung ist in unserer Stadt weit fortgeschritten. Aber es bleibt dabei, wir müssen den Bildungsaspekt auch in der frühen Betreuung stärken. Bildungsmangel macht arm! Deshalb wollen wir den qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung. Ein Bauprojekt kann aufgeschoben werden, ein Menschenleben nicht.

Barrierefreiheit: Routiniert, betroffen und fantasielos setzen Verwaltung und Gemeinderat Jahr für Jahr Mittel ein, um mit baulichen Maßnahmen die Mobilität von Behinderten zu verbessern. Das ist nötig, trifft aber nicht den Kern der Sache. Und der heißt Teilhabe, vor allem auch Teilhabe am Arbeitsleben. Hilfe und Fürsorge sind gut und richtig. Lebenszufriedenheit, Würde, speisen sich aber wesentlich aus der Gewissheit, gebraucht zu werden, nützlich zu sein. Die SPD würde gern ein kommunales Aktionsprogramm auf den Weg gebracht sehen. Vielleicht können wir dem Beispiel Illingens im Saarland folgen und (mit abzurufenden Zuschüssen) einen städtischen Integrationsbetrieb auf die Beine stellen. Wenn wir ernst machen, können wir endlich auch der Erklärung von Barcelona beitreten. Wir haben das schon 2006 angemahnt.

Teilhabe für die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Integration ist viel zu lange nicht als wichtige Aufgabe begriffen worden. Für die SPD handelt es sich auch um eine Frage der personalen Solidarität. Es darf keine Bürger erster und zweiter Klasse geben. Jedes dritte Migrantenkind ist von Armut bedroht. Das ist skandalös und ein weiterer Grund, frühkindliche Betreuung und Bildungsangebote deutlich zu verbessern. Wir wollen die Stelle eines oder einer Integrationsbeauftragten. Wir brauchen eine Persönlichkeit, die mit Sachverstand, mit Schwung und Ideen und mit ausgesprochener Kommunikationsfähigkeit dieses wichtige Aufgabenfeld beackert.

Zu viele sind ausgeschlossen. Keiner darf verloren gehen.

Klaus te Wildt
SPD-Stadtrat
Pfrondorf